Die Brauerei mit dem gewissen Etwas

Der "eingetragene Kaufmann" und seine Erfolgsmannschaft

"Unser Bier ist etwas ganz besonderes!" Während er diesen Satz spricht, glänzen seine Augen. "Sein" Bier beschreibt der Mann voller Leidenschaft und Ehrgefühl. Ein Überzeugter, ein Verkäufer eben. Und alles mit breitem bayerischen Zungenschlag. Hermann Goß versteht seine Aufgabe und Verantwortung als Berufung. Er ist Direktor der Brauerei Bischofshof.

"Werbung ist mein Bier"

Die Passion für sein Produkt schwappt auch auf seine Mitarbeiter über. "Heute verkaufen wir Bier nicht mehr mal so eben am Stammtisch oder im Kegelverein", analysiert Thomas Neiswirth, der 33jährige Marketingleiter, und ist schon ganz in seinem Element. "Früher wurden Anzeigen in den Zeitungen geschaltet, heute sind unter anderem die verschiedenen Social Media Kanäle unser Marktplatz. Hier treffen sich Verkäufer und Kunde". Der studierte Betriebswirt ist seit 2009 verantwortlich für Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit bei Bischofshof. Die Brauerei hat ihn damals gerufen. Als Student muss Neiswirth im Praktikum nicht viel falsch gemacht haben. Jedenfalls haben sich die Verantwortlichen um Brauereidirektor Goß an ihn erinnert. "Das hat meinem Studium noch mal richtig Tempo verliehen." Seitdem will er Emotionen verkaufen, sagt er. Tradition und Heimatgefühl. Klassische Stärken der Bayern.

Alte Brauerei, ewigjunge Rechtsform

"Bayerisches Bier hat einen Ruf wie Champagner unter den Schaumweinen", erklärt Thomas Neiswirth den Erfolg der Brauerei auch im Ausland. In über 29 Länder geht die Ausfuhr. Schon seit fast 20 Jahren wird nach China exportiert. In Europa begeistern sich vor allem Italiener und Spanier an den Marken Bischofshof und Weltenburger. Vielleicht liegt es an der besonderen katholischen Verbindungslinie zwischen Bayern und Südeuropa.

Insgesamt ist und wird der Bierkonsum deutschlandweit zurückgehen. "Gesundheitstrends und Promillegrenze wirken da wie Bremsen", so Neiswirth, der als Hobby-Triathlet selbst auf bewusste Ernährung setzt. Doch Bischofshof hält sich gegen den Trend. Gute und lange Sommer, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Europameisterschaft in diesem Jahr haben für guten Umsatz gesorgt.

Ein Eckpfeiler des Erfolgs der Brauerei ist auch ihre Rechtsform "Eingetragener Kaufmann", kurz e.K.. "Wir sind ein Betrieb gewerblicher Art der bischöflichen Knabenseminarstiftung der Diözese Regensburg. Das macht uns sicher zu etwas ganz besonderem in der Brauereilandschaft", sagt der kaufmännische Leiter Karl Beck. Ein Alleinstellungsmerkmal. "Unsere Rechtsform ist sicher historisch bedingt, aber sie ist auch eine Verpflichtung für Heute und in der Zukunft. Was gestern war, gilt heute um so mehr. Unsere Mitarbeiter sind die Garanten unseres Erfolgs. Wir stehen nicht für kurzfristige Dividenden. Wir planen und investieren langfristig. In die Menschen und die Infrastruktur."

Ganz aktuell wurde das in acht neuen Gärtanks und drei neuen Drucktanks bei Bischofshof und drei neuen Lagertanks im Felsenkeller der Klosterbrauerei in Weltenburg. Das alles ist notwendig, doch der Kern des Geschäfts ist das Bier und das "ist halt was ganz besonderes", versucht Hermann Goß Katholisch noch etwas katholischer zu machen. Und er liefert auch gleich einen Grund hinter her: "Man weiß halt, was drin ist. Einfach rein. Vier Zutaten, die jeder kennt, nichts anderes. Streng nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516.". Eben „was ganz was sauberes!"

Das liegt sicher auch am modernsten Sudhaus der Welt, das die Brauerei seit 2006 besitzt. Und zusammen mit dem Fraunhofer Institut in Stuttgart haben Karl Beck und seine Kollegen die Büroräume komplett modernisiert. Die "neue Arbeitswelt" nennen die Bischofshofer ihre liebevoll, stilsicher und auf Tradition bedacht modernisierten Büroräume. Die jungen Menschen kommen, machen ihre Ausbildung in der Brauerei und wollen danach gar nicht mehr weg. "Sagt's mir, wenn ihr was habt, ich würde gerne zu euch kommen", hören die Leiter der Brauerei immer wieder.

Razvan Marcos: Auf Tuchfühlung mit der Szene

Einer, der zurückgekommen, bzw. gleich da geblieben ist, ist Razvan Marcos. Der 21jährige gebürtige Rumäne gilt unter seinen Kollegen als "cleveres Bürschchen". Nach der Mittleren Reife hat er sich als Industriekaufmann bei Bischofshof beworben, wurde genommen und ist heute Gebietsverkaufsleiter Gastronomie. Vertrieb ist sein Ding. Nicht nur wegen seiner Jugend ist der Mann - strategisch gesehen - ein Segen für die Brauerei. Der muntere Vertriebler ist auch mit seinen Hobbys so eine Art "Medium" für das Unternehmen. Mit Razvan geht die Brauerei mit der Szene auf Tuchfühlung. Denn Marcos ist im Nebenjob DJ und auch als Breakdancer hat sich der beliebte Kollege einen Namen gemacht. Ideale Voraussetzungen. Er weiß, wie der Zeitgeist in Sachen Getränkekultur tickt. "Es sind die Events, vor allem die ganz großen, die heute unsere Bühne sind. Hier wollen wir unsere Biere an den Mann bringen", analysiert Razvans früherer Ausbildungsleiter Karl Beck, der froh ist, Razvan Marcos als Kollegen in der Brauerei-Familie zu haben. Und doch gibt es Grenzen: bei den unter 18jährigen verstehen die Bischofshofer keinen Spaß und gehen mit Werbung und Verkauf äußerst verantwortungsbewusst um. Von Schulen halten sie sich fern. Bier ist hier ein absolutes Tabu.

Leonhard Resch, der Braumeister...

Trotz vieler neuer Trends – echtes Bier bleibt das Kerngeschäft. Vor allem für Leonhard Resch, den ersten Braumeister des Unternehmens. Sein Job kreist tagtäglich um das, was rein kommt ins Bier. Den Hopfen bezieht er aus der Hallertau. Das Premiumgebiet für diesen Urstoff. Malz kommt aus den umliegenden Regionen. 13 Biersorten umfasst das Angebot von Bischofshof. Hinzu kommen weitere zwölf Sorten der ebenfalls zum Bistum gehörenden Marke Weltenburger Kloster. Seit 1050 wird im Kloster Bier gebraut, direkt am Donaudurchbruch bei Kelheim an der Donau. Es ist die älteste Klosterbrauerei der Welt. "Die Kunst beim Bier brauen besteht darin, dass die alten und beliebten Sorten über die Jahrzehnte immer gleich gut schmecken müssen", erklärt Resch. Ein wesentlicher Unterschied übrigens zum Wein, bei dem Wind und Regen, viel oder wenig Sonne jeden Jahrgang anders werden lassen. Der Mitvierziger leitet das größte Team unter den knapp 90 Mitarbeitern im Hause Bischofshof. Resch zählt zum Typ "echte Führungsfigur", sagt sein Kollege Karl Beck über den Mann, der "gut mit Menschen kann". Diese Gabe braucht der gebürtige Niederbayer nicht nur für sein gut 20-köpfiges Brauerteam, sondern auch für die Außenkontakte. Resch ist viel unterwegs, trifft sich mit Wirten, bietet Hilfestellung rund um's Bier an, wenn es um Schanktechnik, Bierqualität und –pflege geht.

... und Peter Pichlmeier, der Brauer und Abfüller

Ein anderes Original in der Brauerei Bischofshof ist Peter Pichlmeier. "Das ist ein griabiger Kerl", sagt der technische Leiter Leonhard Resch über den Flaschenabfüller und Brauer. Seit über 30 Jahren ist der Regensburger mit dabei. Der Mann hat Humor, arbeitet schnell und laut und kennt seine Abfüllanlagen aus dem Effeff. Das Team der Technik füllt rund 200.000 Hektoliter diverser Sorten per anno in Flaschen und Fässer ab. Das Gros der Produktion geht im Radius von 300 Kilometern um Regensburg an den Mann und die Frau. Sein Arbeitsmotto bei allen Problemen: "Ich schaff das!"

Brückenbauer, moderne Identifikationsstifter...

Der wirtschaftliche Erfolg spiegelt das Motto der Brauerei wieder: "Das Bier, das uns zu Freunden macht". Das Unternehmen genießt nicht nur in der Universitätsstadt an der Donau einen vorzüglichen Ruf. "Wir freuen uns, dass wir in den letzten Jahren immer erfolgreicher werden konnten. Das bestätigt unsere Arbeit und ermöglicht uns über den Stiftungszweck der Knabenseminarstiftung hinaus, weitere Investitionen in die Kultur und das Gemeinwohl unserer Stadt und ihrer Region. Hier schließt sich dann der Kreis", so Karl Beck. "Wir unterstützen nicht nur das Priesterseminar. Wir schaffen auch kulturelle Identifikation. Wir haben das König Ludwig Reiterdenkmal wieder an seinen Platz zurückgeholt. Auch die Porta Praetoria, das einzige erhaltene Legionslagertor aus der Römerzeit, wird mit uns restauriert und zum ersten Mal begehbar gemacht." Nicht das letzte kulturelle Vorhaben der Brauerei. Auch der legendäre Brückenbauer, das "Bruckmandl" wird mit Idee und Kraft der Bischofshofer aufwendig restauriert. Einen ersten Abguss kann man bereits in der Brauerei besichtigen. Das Engagement zahlt sich aus. Das gleichnamige kleine, flüssige Helle "Regensburger Bruckmandl" ist sowohl bei den Jungen in der Szene als auch bei den älteren Kunden extrem beliebt.

... und moderne Weihnachtsgeschichtenschreiber

Der Brauerei geht es gut. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl und geben gerne ein Stück Ihres Erfolgs weiter. Die jährliche Weihnachtsfeier sagt kaum einer ab. Was sicher auch an der legendären Weihnachtstombola liegt. Hier werden die Geschenke der Vertriebspartner verlost. Jeder kauft hier Lose. "Das ist Ehrensache!", sagt Razvan Marcos. Der Gewinn aus dem Verkauf der Lose wird von der Geschäftsführung verdoppelt, "was viele noch mal animiert noch mehr Lose zu kaufen", lacht der Brauereidirektor Hermann Goß. "Es geht um die gute Sache, schmunzelt Goß, der sich freut, dass die Bischofshof-Familie das Teilen groß schreibt. Der Erlös der Tombola wird gespendet. Aus dem Pichlmeierischen "Ich schaff das!" wird dann schnell ein Bischofshofener "Wir schaffen das!" Im letzten Jahr konnten die Mitarbeiter einer Familie aus Köfering helfen, ihr Haus für den krebskranken Sohn umbauen zu können. Dieses Jahr wollen sie ein Flüchtlingsprojekt unterstützen. "Letztlich schreiben wir damit immer wieder moderne Weihnachtsgeschichten", resümiert Direktor Hermann Goß. Auch das macht die Brauerei Bischofshof aus.


"Meine Großeltern haben geweint, als Sie meinen Arbeitsplatz gesehen haben"


Die Bischofshof-Mitarbeiter und Ihre Brauerei