Am Busen der Mutter Gottes

Das bischöfliche Forstgut und seine Osser-Gipfel

Sinnlich lieben es die Bayern: in ihren Kirchen, in ihrer Sprache und in ihren Wäldern. Als Busen der Mutter Gottes bezeichnen sie ihren Osser im Bayernwald. Mit dem Vergleich wagen sich die Bayerwäldler auf ziemlich glattes Eis, aber der Gedanke liegt halt nahe. Der kleine und der große Osser sind nicht nur fast gleich groß (1293 und 1266), sie sind mit ihrer spitzen Form auch einzigartig im Bayerischen Wald.

Steigen wir hoch: Mit schwitzenden Schritten vorbei an den Kolbietehängen. Durchatmen, den klebrigen Fichtenduft in der Nase, Farnwiesen im Hopfenwald, Stille, die die Gedanken zum Himmel trägt. Der Wald als Handschrift des Herrn. Bäume, Wind, Sonne und Wolkenspiel, die seinen Schönheitssinn bezeugen. Das Handy hat hier keine Chance. Das Netz, es stößt an irdische Grenzen. Wer die grüne Herrlichkeit rund um den Osser erläuft, der kommt seinem Schöpfer nahe. Und wann war Gott den Menschen jemals näher als am Busen seiner Mutter?

Warum der Bischof einen Wald besitzt

Warum der Bischof von Regensburg einen Wald besitzt, kann man - wie so vieles in der Kirche - nur historisch erklären. Das Bistum erbte mit dem Wald nicht nur 700 Hektar Ossernatur, sondern auch eine Verpflichtung. Diese grüne Schönheit, von Gott geschenkt, soll den Menschen dienen mit all ihrer Sinnlichkeit, ihren Düften, ihren rauschenden Baumkronen, ihren weiten Blicken, der Tierwelt und ihrem Spiel aus Licht, Wind und gespiegeltem Stein.

Der Macher im Forstgut Lambach

Einer muss immer schauen. Das macht Klaus Neuberger. Der Förster ist seit 1996 für den bischöflichen Wald rund um das Osser-Gebirge verantwortlich. Er kennt den Herzschlag seines Reviers. Er weiß wie die Buchen wachsen, wo das Besenmoos blüht, wann im Spätsommer die Heidelbeeren reif sind. Und: Wo der Sonnentau die Erzwespen jagt. Er kennt und weiß alles. Und jeder hier kennt ihn.

Ein Viertel des Forstes ist Schutzwald. Wirtschaftlich wird dieser Teil nicht genutzt. Vor allem hier legen Klaus Neuberger und seine Kollegen größten Wert auf "autochthone Pflanzen". Alteingesessen müssen sie sein, also aus der Region stammen. Besonders der Mischwald wird gefördert. Der Orkan Kyrill hatte vor Jahren schwer gewütet in den Baumkronen. Längst hat sich das grüne Biotop aber wieder erholt. Die Waldbestandserhebung aus dem Jahr 2015 weist aus, dass rund um die Brüste der Mutter Gottes jährlich 4.900 Festmeter geschlagen werden. Das ist der Hiebsatz, der geschlagen werden darf. "Dieser Hiebsatz wird aber nur genutzt, wenn auch der Holzpreis stimmt", so Neuberger. "Wir schlagen zurzeit nur Schadholz ein. Das Holz geht dann an Holzhändler, Waldbauernvereinigungen oder mittelständische Sägewerke aus der Region." Das tote Holz überlassen die Förster den Käfern und Kleintieren.

Der Wald erfüllt zusammen mit seinem Nachbarn, dem Kolping Familienhotel Lambach, seine Erholungsfunktion für die Gesellschaft. Vor allem für die dort lebenden Menschen und ihre zahlreichen Gäste. "Wir versuchen hier, so gut wir das können, soziale Verantwortung zu übernehmen. Bisher ist uns das recht gut gelungen. Denn der Waldbestand liegt um circa 30 Prozent pro Hektar über dem Durchschnittshektar. Die wirtschaftliche Nutzung hält sich also in Grenzen", so der bischöfliche Fachmann für das Forstgut.

Neue Baumarten für den Bayerischen Wald

Klaus Neuberger und seine Kollegen gehen in der Bepflanzung der Waldgebiete zaghaft neue Wege. Neben den traditionellen Mischwäldern züchten die leidenschaftlichen Naturwächter unter anderem auch für den Bayerischen Wald fremde Baumarten wie die pazifische Edeltanne, Douglasien oder die Sudenten-Lärche. Ein bayernweit einzigartiger Versuch, die Wälder mit neuen Baumarten zu versehen. "Ich bin sehr stolz auf unsere Versuche", so Neuberger, "weil sie doch zeigen, dass wir als Bistum zwar nachhaltig und im eigentlichen Sinne auch konservativ sind. Aber neben der bewahrenden Naturpflege verschließen wir nicht die Augen vor etwas Neuem. Wenn Fortschritt möglich ist, warum nicht?



"700 Hektar sind kein Pappenstiel – trotzdem liebe ich meine Arbeit in der Natur"


Bischof Rudolf zu Besuch im Forstgut Lambach