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Ein Obdachloser sitzt am Straßenrand und strickt Topflappen.

"Ich bin das Bindeglied zwischen dem System und den Hilfsbedürftigen."

Streetworker Ben Peter

Raus aus der Sucht

Die Caritas-Suchtberatung hilft bei allen Arten von Sucht und Abhängigkeit

Mark Bayer wohnt auf der Straße. Einen festen Wohnsitz hat er nicht. Als seine Mutter starb, hat ihn das aus der Bahn geworfen. Nachts schläft Bayer in Landshut, morgens fährt er nach Regensburg. Er setzt sich auf die Maximilianstraße und beginnt zu stricken. Topflappen, man kann sie auch bei ihm kaufen. Abends geht es zurück nach Landshut. Das macht er jeden Tag so. Für vieles im Leben braucht Mark Hilfe und Unterstützung. Wohin soll offizielle Post geschickt werden? Schreiben von Behörden oder der Krankenversicherung werden zur Herausforderung. Ihm hilft Ben Peter. Peter ist Streetworker der Caritas in Regensburg. Seine Aufgaben sind die Menschen am Rand, die Drogenabhängigen, die Obdachlosen.

Ein Streetworker hilft einem Obdachlosen und bringt ihm seine Post.
Ein Sozialarbeiter im Portrait

Viele Suchtabhängige haben nicht nur ein Problem, sondern viele. Zur eigentlichen Abhängigkeit kommen oft Probleme mit der Justiz und der Familie. Irgendwann verliert man vielleicht die Wohnung. Dreißig bis vierzig Prozent der Klienten von Ben Peter haben keinen festen Wohnsitz. Sie kommen immer wieder bei Freunden, Bekannten oder den Eltern unter. Auf Dauer geht das nur selten gut.
 

Ben Peter: Bunter Engel für Regensburg

Ben Peter ist Angestellter der Regensburger Suchtberatung. „Hier wird Menschen mit den unterschiedlichsten Formen von Abhängigkeit geholfen“, erklärt Christian Kreuzer, Chef der Beratungsstelle. „Ich verbringe schon mein ganzes Berufsleben mit der Sucht“, sagt der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Etwa die Hälfte seiner Klienten seien Alkoholiker. Dazu kommen Konsumenten von illegalen Drogen wie Cannabis, Heroin oder Crystal Meth. Einen wachsenden Teil machen die Glückspielabhängigen aus. Immer mehr Menschen haben auch Probleme mit digitalen Medien, verbringen zu viel Zeit mit Handy oder Computer.

Eine Sucht bekämpft man nicht allein

Die Suchtberatung in Regensburg bietet Beratung im Internet und informiert an Informationsabenden über ihre Arbeit und die unterschiedlichen Angebote. Die Tür steht jedem offen: Suchtkranken, aber auch Angehörigen oder Arbeitskollegen. „Wir sind eine Anlaufstelle für Betroffene und für Personen aus dem Umfeld. Sucht ist kein individuelles Problem. Es betrifft auch die Partnerin, den Partner, die Kinder“, so Kreuzer. Gerade Kinder bekämen oft mehr mit, als man denkt. Später seien sie deutlich stärker suchtgefährdet als andere.

Der Chef der Caritas-Suchtberatung in Regensburg im Portrait

Eine Sucht zu bekämpfen ist schwierig. Viele probieren es erstmal allein. Sie schaffen es nicht, scheitern ein ums andere Mal. „Ich bin der, der es nicht schafft“, denken sie irgendwann. Das schlägt auf das Selbstbewusstsein und kann das Problem noch verschlimmern. Hier kommt die Suchtberatung der Caritas ins Spiel. In einem ersten Gespräch klären Kreuzer und seine Kollegen die Lage. Sie sondieren, zeigen den Klienten ihre Möglichkeiten auf: „Es geht darum, miteinander ein Bild zu entwickeln. Was ist in dieser Situation nötig?“, erklärt der Psychologe. Er kann in Kliniken vermitteln, Therapieplätze besorgen, eine Selbsthilfegruppe suchen.

Suchtberatung: 600.000 Euro jährlich

Getragen wird dieses Angebot von der Caritas. Mehr als 600.000 Euro kostet dieses Angebot im Jahr. Den größten Posten stellen die Personalkosten dar. Die Beratungsstelle muss zudem mehr als 56.000 Euro Miete im Monat zahlen. Die Suchtberatung muss zentral gelegen sein. Viele der Klienten haben nach Autofahrten unter Drogen- und Alkoholeinfluss den Führerschein verloren. Deshalb muss die Suchtberatung nahe am Bahnhof liegen: „Wir brauchen einen Standpunkt im Mittelpunkt des Geschehens“, sagt Kreuzer. Jeder Mitarbeiter braucht ein eigenes Büro, muss er doch Menschen in höchstpersönlichen Angelegenheiten vertraulich beraten. Diese Kosten trägt nicht die Caritas allein. Das Land Bayern und der Bezirk Oberpfalz bezuschussen die Suchtberatung – zu 78 Prozent. Den Rest trägt die Caritas, das sind immerhin mehr als 135.000 Euro.

Ein Klient bespricht sich mit einem Angestellten der Caritas-Suchtberatung.
Ein Streetworker hilft einem Obdachlosen und gibt ihm die Hand.

Spritzentausch ist Erfolgsmodell

Das Stichwort heißt „Subsidiaritätsprinzip“: „Der Staat wird nur dort aktiv, wo es sonst keiner tut“, erklärt Christian Kreuzer. Diese Unabhängigkeit vom Staat weiß er zu schätzen: „Wir können auch dort arbeiten, wo andere noch keinen Bedarf sehen.“ Oft haben die privaten Träger einen anderen Blick auf aktuelle Entwicklungen und Bedürfnisse. Das merkt man auch bei der Caritas. Zum Beispiel: Der Spritzentausch. Gemeinsam mit dem Streetworker Ben Peter haben die Suchtberater festgestellt, dass viele Drogenabhängige unter katastrophalen Bedingungen konsumieren. Das stellt eine große gesundheitliche Gefahr für sie und andere dar. Deswegen entschloss sich die Caritas, einen Spritzentausch zu initiieren: Drogenabhängige können ihre gebrauchten Spritzen bei der Caritas entsorgen. Dafür bekommen sie neues Besteck und sauberes Wasser. Damit sinkt das Infektionsrisiko eklatant.

Die Caritas hat das erkannt, die Stadt Regensburg fördert das Projekt mittlerweile finanziell. Trotzdem gilt: „Wir haben mehr Freiheit als eine staatliche Stelle“, meint Christian Kreuzer. Gerade die Bedürfnisse Suchtkranker ändern sich immer wieder. „Man muss ständig schauen: Was wird gebraucht?“

Das Ziel: Weg von der Straße

Das merkt auch Streetworker Ben Peter. Er ist Ansprechpartner für alle Sorgen. Zweimal in der Woche veranstaltet er ein Frühstück für seine Klienten. Die Lebensmittel bekommt er von Bäckereien und der Bahnhofsmission. So kann er Kontakt zu seinen Leuten halten, eine Mahlzeit und ein offenes Ohr bieten. Er kann helfen. Mark Bayer etwa hat Post von der Krankenversicherung bekommen: Die neue Versichertenkarte ist da. Peter gibt Anleitungen, unterstützt ihn. Mark hat ein Ziel: Er will weg von der Straße. Am liebsten in eine betreute Wohngruppe. Allein könnte er das vermutlich kaum bewältigen. Mit Ben Peter stehen die Chancen schon mal besser.

Ein Streetworker holt Lebensmittel bei der Bahnhofsmission ab.
Ein Obdachloser isst Gebäck, das er von einem Streetworker bekommen hat.

Deckung des Gesamtaufwandes von 613.713,50 € der Fachambulanz für Suchtprobleme in Regensburg durch:

*Eigenleistung setzt sich aus Kirchensteuermitteln (hauptsächlich) der Diözese Regensburg und Eigenmitteln der Caritas zusammen.

Einkünfte Suchtberatung bistumsweit (2017):
 

 

Erträge sonstige Einrichtungen235.544,40 €
Zuschüsse Staat  2.854.148,02 €
Geldspenden (einschließlich -bußen) 800,00 €
Sonstige Sachspenden21,00 €
Defizit (von der Caritas getragen)               166.268,89 €

 


Psychologe und Psychotherapeut Christian Kreuzer im Interview.

Christian Kreuzer,

über seine Person und die Suchtberatung der Caritas

Psychologe und Psychotherapeut Christian Kreuzer im Interview.

Christian Kreuzer,

über die Suchtberatung am Puls der Zeit

Psychologe und Psychotherapeut Christian Kreuzer im Interview.

Christian Kreuzer,

über die Kosten der Suchtberatung

Ein Streetworker der Caritas versorgt einen Obdachlosen mit Lebensmitteln.
Ein Obdachloser im Nahaufnahme, der an einer Passage sitzt und strickt.
Mark Bayer, ein Obdachloser, im Portrait.
Nahaufnahme auf einige süße Backwaren, von denen eine Hand gerade eines herausnimmt.
Blick in das Lastenfahrrad eines Streetworkers, der gerade Lebensmittel verteilt.
Streetworker Ben Peter trifft sich mit einer Frau von der Bahnhofsmission, sie reichen sich die Hand.
Psychologe und Psychotherapeut Christian Kreuzer im Portrait.

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