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Ultraschallbild von einem Fötus.

Eine Frage der Zivilisation

Die Caritas-Schwangerschaftsberatung: Angebote für ein Leben mit Sinn

Schon der große Grieche Aristoteles, Vordenker der abendländischen Zivilisation, wusste: „Leben ist gleichbedeutend mit Sein“. Und Sein heißt für Christen: Leben für immer, egal wo, in der sichtbaren oder unsichtbaren Welt. Deshalb ist, wie Mutter Teresa bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 in Oslo sagte, „das Kind das größte Geschenk Gottes für die Familie, für ein Volk und für die Welt“. In der Tat, „ein Kind zu retten bedeutet, die Welt zu retten“ (F. Dostojewski). Man hält es heute gerne für übertrieben, aber um diesen großen Zivilisationsbogen geht es bei der Schwangerenkonfliktberatung. Und weil sie unter diesem großen Bogen stattfindet, kann sie auch nicht nur auf das Ja zum Leben beschränkt bleiben. „Wir sind für alle Fragen zuständig“, sagt Gabriele Dotzer, Leiterin der Caritas-Schwangerenberatung, „angefangen bei den Fragen über das Schwangerwerden, über das Schwangersein, die Geburt und bis in die ersten Lebensjahre hinein.“

Gabriele Dotzler, die bei der Caritas-Schwangerschaftsberatung im Bistum Regensburg arbeitet.

Gabriele Dotzer ist seit 2012 bei der Caritas-Schwangerenberatung im Bistum Regensburg tätig. Die Beratung unterhält fünf Anlaufstellen in der Diözese, außer in Regensburg auch in Deggendorf, Landshut, Weiden und Straubing. Wohnortnah gibt es Ansprechpartner für ratsuchende Frauen. Der Bedarf ist gestiegen, schon wegen der fortschreitenden Medizintechnik. Es sind Fragen wie: Soll ich eine pränatale Diagnostik vornehmen oder bei unerfülltem Kinderwunsch eine künstliche Befruchtung? Und was ist, wenn behinderte Menschen den Wunsch nach Familie, nach Kindern haben? Hier hat die Beratungsstelle als einzige in Bayern eine Spezialisierung entwickelt. „Wir bieten die Beratung auch jenseits des Bistums an“, und es klingt Hochachtung mit, wenn Gabriele Dotzer von ihrer Kollegin, „Beraterin im Rollstuhl mit drei Kindern“, spricht. Die Gruppe der Menschen mit Behinderungen, die diese Beratung gerne in Anspruch nimmt, wächst. Man trifft sich regelmäßig, einmal im Monat, inzwischen ist die Gruppe von einer Handvoll auf 20 Personen angewachsen.

Zwei Damen der Schwangerschaftsberatung der Caritas unterhalten sich angeregt.

Anonym entbinden

Eine weitere Besonderheit ist seit 2014 die „vertrauliche Geburt“. Manche Frauen wollen anonym bleiben. Wie können sie das Kind austragen, dennoch ärztlich betreut werden und in einer Klinik gebären? Es geht mit einem Pseudonym. Niemand weiß, wer die Frau wirklich ist, aber man kann schon während der Schwangerschaft auf die Suche nach Adoptiveltern gehen, das Kind wird gerettet und bekommt ein Zuhause.
 

Die Katholische Schwangerenberatung gibt seit dem Jahr 2000 keinen Beratungsschein aus. „Der Schein ist die einzige Voraussetzung für eine Abtreibung, das lässt sich nicht vereinbaren mit der Lehre vom Leben“, sagt Gabriele Dotzer. Manche Frauen hätten den Schein schon in der Tasche und kämen trotzdem, „weil sie ihre Absicht mit einer Person überprüfen möchten, die unabhängig berät“. In der Beratungsstelle sind sie alle willkommen. Man höre immer erst zu, frage nach den Reaktionen des Umfelds, nach den Bedürfnissen. „Ein kleines Ja für das Kind ist immer da, das braucht Stärkung“, sagt Frau Dotzer. Viele wüssten nicht, wie sie es finanziell schaffen sollen, manche hätten keine Wohnung, lebten in prekären Verhältnissen, die Ausbildung sei noch nicht abgeschlossen, die Beziehung nicht gefestigt. Auch hätten sich die familiären Strukturen geändert, es fehlten die Großeltern, die mittragen. „Die meisten fragen sich: Werde ich es im Notfall alleine schaffen?“ Aber, so die erfahrene Beraterin, „die meisten entscheiden sich für das Kind“. Das sind über die Jahre tausende von geretteten Kindern. Jedes Jahr „haben wir rund 9.000 Beratungskontakte, bei jedem vierten ist der Vater dabei“.

Es geht um Leben pur

Für die fünf Beratungsstellen wendet das Bistum 1,4 Millionen Euro pro Jahr auf. Für die Stelle in Regensburg stammen 92 Prozent davon aus Kirchensteuermitteln, acht Prozent aus Spenden oder sonstigen Zuschüssen. Der Staat leistet hier einen freiwilligen Zuschuss von mehr als 36.000 Euro. Die größten Posten sind Personalkosten, allein in Regensburg kommen hier für Löhne, Gehälter, Honorare, Sozialabgaben, Berufsgenossenschaftsbeiträge, Altersvorsorge  und sonstige Personalausgaben rund 370.000 Euro zusammen. Hinzu kommen Strom, Wasser, Miete, Reinigung, Hauskosten, Telefon-, Büro-, Verwaltungs-, Fortbildungs- und Betreuungskosten, summa summarum mehr als 440.000 Euro. Reich wird da niemand, aber die Arbeit erfüllt. Es geht um Leben pur.

Gerundete Beispielzahlen (2017):

Einnahmen

 
von der Diözese aus 
Kirchensteuermitteln
404.276 €
staatliche Zuschüsse36.893 €
sonstiger Zuschuss/Ertrag           1.011 €
sonstiger Zuschuss Diözese            1.230 €

 

Kosten 
Personal374.050 €
Betriebs- und Verwaltungskosten
(wie z.B. Miete, Strom,
Fortbildungskosten)
 69.360 €

 

Eine Dame und ein Herr halten ein Beratungsgespräch mit einer Probanden.

Die Beratung ist professionell in jeder Hinsicht: Psychologisch, karitativ, mit Know-how auch für die bürokratischen Notwendigkeiten bei den Ämtern. Die Arme sind offen, das Herz groß, die Hände rege. Die Mütter der geretteten Kinder sind dankbar. Manche fragen, was es kostet, auch wenn sie nichts haben.  „Nichts,“ sagt dann Gabriele Dotzer, „das ist ein Angebot unserer Kirche“.

Es ist ein Angebot, das über die einzelnen Personen und Fälle hinausreicht. Es bietet Lebenssinn in der wahrsten Bedeutung des Wortes. Seit 44 Jahren wird im Bistum beraten, seit die Gesetze zur Abtreibung liberalisiert wurden und erst recht seit die Indikationslösung nach der Wiedervereinigung zur Fristenlösung mit Beratung wurde. Aber das Problem ist alt. Schon im Römischen Reich waren es die Christen, die der damals gängigen Praxis der Kindstötung entgegentraten. Und auch in Deutschland wurde selbst kurz nach dem Krieg schon die Frage nach dem Sinn werdenden oder endenden Lebens gestellt. Die Kirche gab Antwort. 1949, als die Menschen noch hungerten und nur überleben wollten, als die Brandbilder noch im Gedächtnis loderten und es klar war wie Quellwasser im Gebirge, wohin der Wahn von Ideologen und die Feigheit der Guten führen kann, zu dieser Zeit verfasste Romano Guardini eine kleine Schrift über das Recht des werdenden Menschenlebens und im Abschnitt mit dem Titel „der entscheidende Gesichtspunkt“ schrieb er: „Die endgültige Antwort liegt im Hinweis auf die Tatsache, dass das heranreifende Leben ein Mensch ist. Den Menschen aber darf man nicht töten, es sei denn in der Notwehr...und der Grund dafür liegt in der Würde seiner Person.“

Eine junge Frau hält verzweifelt einen Schwangerschaftstest in den Händen.

Und dann zog er die Kausalkette noch etwas weiter: „Nicht deshalb ist der Mensch unantastbar, weil er lebt und daher ein Recht auf Leben hat. Ein solches Recht hätte auch das Tier, denn das lebt ebenfalls.... Sondern das Leben des Menschen darf nicht angetastet werden, weil er Person ist.“ Dann definierte Guardini diesen Begriff: „Person ist die Fähigkeit zum Selbstbesitz und zur Selbstverantwortung; zum Leben in der Wahrheit und in der sittlichen Ordnung. Sie ist nicht psychologischer, sondern existentieller Natur. Grundsätzlich hängt sie weder am Alter, noch am körperlich-seelischen Zustand, noch an der Begabung, sondern an der geistigen Seele, die in jedem Menschen ist. Die Personalität kann unbewusst sein, wie beim Schlafenden; trotzdem ist sie da und muss geachtet werden. Sie kann unentfaltet sein wie beim Kinde; trotzdem beansprucht sie bereits den sittlichen Schutz. Es ist sogar möglich, dass sie überhaupt nicht in den Akt tritt, weil die physisch-psychischen Voraussetzungen dafür fehlen wie beim Geisteskranken oder Idioten. Dadurch aber unterscheidet sich der gesittete Mensch vom Barbaren, dass er sie auch in dieser Verhüllung achtet. Diese Personalität gibt dem Menschen seine Würde.... Die Achtung  vor dem Menschen als Person gehört zu den Forderungen, die nicht diskutiert werden dürfen. Die Würde, aber auch die Wohlfahrt, ja endgültigerweise der Bestand der Menschheit hängen davon ab, dass das nicht geschehe. Wird sie, die Würde, in Frage gestellt, gleitet alles in die Barbarei.“

Es ist die christliche Antwort des Lebens. Sie ist auch heute gültig. Sie ist die Grundlage der heutigen Zivilisation, sie rettet diese Welt und ist heute dringender zu unterstützen denn je seit dem Krieg. Denn die Barbarei kommt in vielen Gestalten daher.


Deckung des Gesamtaufwandes von rund 440.000 € in der Beratungsstelle Regensburg durch:

*Eigenleistung setzt sich aus Kirchensteuermitteln (hauptsächlich) der Diözese Regensburg und Eigenmitteln der Caritas zusammen.

Einkünfte Schwangerschaftsberatung bistumsweit (2017):
 

 

Erträge sonstige Einrichtungen340,75 €
Zuschüsse Staat90.893,12 €
Zuschüsse Diözese Regensburg   1.035.584,87 €
Sonstige Zuschüsse974,93 €
Spenden5.861,83 €
Sonstige Sachspenden102,80 €
Überschuss für die Caritas                      1.181,68 €

 


Gabriele Dotzer während eines Interviews.

Gabriele Dotzer,

über den Beratungsschein

Gabriele Dotzer während eines Interviews.

Gabriele Dotzer,

über die hohe Nachfrage

Gabriele Dotzer während eines Interviews.

Gabriele Dotzer,

über die Beratung für Menschen mit Handicap

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

über die vertrauliche Geburt

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

über ihre Person und die Schwangerschaftsberatung

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

über die Rolle der Väter

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

über die Kirchensteuermittel

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

"Was wäre ohne die Beratungsstellen?"

Gabriele Dotzer im Interview.

Gabriele Dotzer,

über den Umgang mit dem Erlebten

Gruppe für behinderte Eltern als ein Angebot der Schwangerschaftsberatung.

 

Eine Dame von der Schwangerschaftsberatung.
Zwei Damen der Schwangerschaftsberatung der Caritas unterhalten sich.

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