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Domkapitular Thomas Pinzer feiert mit einigen Kindern eine heilige Messe.

Die Fachstelle für Alleinerziehenden-Seelsorge

Eine große Verantwortung

„In Deutschland gibt es rund 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Davon sind knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter oder Väter“ schreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Jede fünfte Familie also. Eine große Zahl und damit auch eine große Verantwortung. Dieser Verantwortung stellt sich für das Bistum Regensburg die Fachstelle Alleinerziehenden-Seelsorge. In weiteren Zahlen bedeutet dies 90.312,21 € (2017) an Personalkosten und  Sachkosten in einer Höhe von 40.001,84 € (2017).

Begegnung, Beratung und Begleitung – diese drei Stichwörter stehen im Mittelpunkt der Fachstelle Alleinerziehenden-Seelsorge. Das heißt konkret: möglichst nah an den Menschen, professionelle Hilfestellungen geben und ein Stück weit der „Arm zum Einhaken“ sein. Das schaffen die zwei Referentinnen Michaela Wein und Kathrin Hauser zusammen in 34 Stunden pro Woche – also einer 80-Prozent-Stelle.

 

Begegnung

Die Arbeit der beiden Referentinnen beginnt immer mit einer ersten Begegnung. Oft ist sie nicht besonders schön: Trauer, Angst, Überforderung, vielleicht auch Wut oder Einsamkeit. Die negativen Gefühle, die die Alleinerziehenden in sich tragen, erfahren hier oftmals ein erstes Ventil. Frauen und Männer können sich in den Eins-zu-eins-Beratungsgesprächen öffnen. Was danach meist überwiegt ist das Gefühl verstanden worden zu sein, nicht allein zu sein.

Doch Begegnung findet nicht nur mit den Referentinnen Michaela Wein und Kathrin Hauser statt. Das umfangreiche Angebot der Fachstelle macht Begegnungen mit Gleichgesinnten möglich. Die alleinerziehenden Väter und Mütter begegnen sich so auf Seminaren, Workshops und Ferienfreizeiten. Und zwar auf Augenhöhe. Genau das ist ein wichtiger Punkt, weiß Michaela Wein: 

„Weil die Eltern, die so oft ganz alleine ihre Frau oder ihren Mann stehen müssen, dann eben unter Gleichgesinnte kommen. Freundschaften entstehen, sie finden gegenseitige Unterstützung im Alltag. Es tut ebenso gut, anderen Leuten die eigene ‚Situation‘ nicht immer und immer aufs Neue erklären zu müssen. Man weiß hier einfach, dass man sich in einer gleichen oder sehr ähnlichen Lage befindet“. 

Alleinerziehend zu sein ist eine spezielle Situation. Natürlich ist diese Form der Familie absolut in unserer Gesellschaft angekommen und akzeptiert - trotzdem ist sie anders. „Allein zu erziehen heißt ganz schön viel Verantwortung allein zu haben: Es geht um die finanzielle und erzieherische Verantwortung für ein oder mehrere Minderjährige und es bedarf an einem Mehraufwand an Organisation“, erklärt Kathrin Hauser. Denn in der Realität trägt oft der oder die Alleinerziehende, selbst wenn ein anderer Elternteil theoretisch verfügbar wäre, die größte Last allein. Deshalb braucht es „eine Solidargemeinschaft“, so Michaela Wein. „Manche Alleinerziehende öffnen sich leichter, wenn sie unter sich sind: Man muss sich nicht viel erklären. Vertrauen fassen ist ganz wichtig.“

Beratung

„Wir sind punktuell da“, erklärt Kathrin Hauser und beschreibt das Gemeinte so: „Es gibt Meilensteine, die wir anbieten. Den Weg gehen die Männer und Frauen selbst“. Die alleinerziehenden Mütter und Väter erhalten von der Fachstelle Möglichkeiten, Impulse, Ideen und Momente des Ausgleichs. Nicht nur das Eins-zu-eins-Gespräch ist dabei eine Form der Beratung. Beratend zur Seite zu stehen, das passiert genauso in den verschiedenen Gruppenangeboten. Erst mit neuen Erkenntnissen und Ergebnissen entwickelt sich oft eine neue Perspektive für die Eltern. Im Alltag fehlt aber oft die Zeit einmal auf sich zu schauen, in sich hinein zu horchen und Impulse von außen überhaupt wirken zu lassen. Die oft thematischen Seminare geben die Option, sich gezielt mit einem Thema zu beschäftigten. Oberstes Ziel ist dabei immer „souverän und unabhängig das Leben so weiterzuführen wie sie es möchten“ – so Kathrin Hauser über die Mütter und Väter. 

Begleitung

Alleinerziehendsein zieht sich über einen längeren Zeitraum hin.  Die Fachstelle Alleinerziehenden-Seelsorge kommt jedoch oft durch eine Krisensituation in die Familien. In der Regel ist es der Beginn des Alleinerziehens. Die Mütter und Väter müssen in eine Rolle hineinwachsen, Trauer über Trennung oder sogar den Tod des Partners oder der Partnerin überwinden. Auch die Trauer über das eigene Lebenskonzept, das nicht mehr so funktioniert wie man es sich vorgestellt hat, gehört dazu.

Die Suche der Alleinerziehenden nach Unterstützung und Veranstaltungen erfolgt gezielt. Es ist bekannt, dass man als alleinerziehendes Elternteil Hilfe und Beratung in einem riesigen Netzwerk finden kann. Die Kirche macht davon einen großen Teil aus. Deshalb landen Menschen aus allen Teilen des Bistums bei Kathrin Hauser und Michaela Wein in der Arbeitsstelle Alleinerziehenden-Seelsorge. Was ihnen und den Eltern dabei zugute kommt ist die komplette religiöse Offenheit und die Bandbreite an unterschiedlichsten Beratungssuchenden. Von der Frau Doktor bis hin zum ALG II-Empfänger – die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben oft ganz verschiedene Hintergründe. Wichtig ist das Zusammenkommen, das durch die Fachstelle ermöglicht wird.

Michaela Wein weiß mit ihrer zehnjährigen Erfahrung als Referentin für Alleinerziehenden-Seelsorge, dass die Mütter und Väter es meist nie besonders leicht haben. Egal aus welchem Umfeld sie stammen. Der Leidensdruck ist groß: „Die finanzielle Situation ist noch angespannter, die Herausforderungen sind noch ein Stückchen härter: Arbeit, Kind, ein ständiger innerer Konflikt und ein permanent schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber, Anspannung, Fremdversorgung. All das sind Faktoren, die wir heute noch mehr spüren können. Nicht nur an den Eltern, auch den Kindern mehr man das an. Sie sind angespannter“, erzählt Michaela Wein. 

Umso wichtiger ist was durch die Arbeit der Fachstelle bewirkt werden kann: „Was öfter passiert ist, dass wir ein in der ersten Begegnung entkräftetes, verzweifeltes Elternteil vorfinden. Bei uns angekommen brechen erst ein Mal oft alle Dämme – es wird viel geweint und damit auch viel losgelöst“, so Michaela Wein. Eine erste Entlastung kann stattfinden. Der Austausch mit anderen alleinerziehenden Eltern  macht dann oft klar, dass man eben nicht alleine ist, dass es allen so geht. „Da passiert Trost“, so Wein. Fortan kann man eine Entwicklung beobachten, beschreibt Wein weiter: „Beim nächsten Mal sieht man es oft schon: Haltung, Gestik, Mimik, Sprache. Die Männer und Frauen werden im wahrsten Sinne des Wortes aufgerichtet“.

„Und es dann gibt es auch den Zeitpunkt wo die Frauen und Männer sagen ‚Jetzt ist gut‘“, berichtet Kathrin Hauser. Das „Happy Ending“ und auch das eigentliche Ziel. Denn mit der Aussage „Jetzt ist gut“, können die Familien wieder komplett auf „eigenen Beinen stehen“ – damit trägt die Arbeit der Fachstelle Früchte. 


Die Referentinnen der Fachstelle

Michaela Wein 
Dipl. Sozialpädagogin, Systemische Familientherapeutin (DGSF), Paarberaterin (EZI), Trauma-Fachberaterin (TIS). Seit 2000 in der Diözese beschäftigt. Zunächst als Referentin in der Jugendarbeit. Seit 2008 Referentin in der Fachstelle Alleinerziehende und seit 2014 zudem als Beraterin in der Ehe-Familien-Lebensberatung.

Kathrin Hauser 
Dipl. Religionspädagogin, Kulturpädagogin in der Jugendarbeit (Schwerpunkt Theaterpädagogik), Mitarbeiterin der AG Gemeindeberatung & Kirchliche Organisationsentwicklung

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