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Dr. Christian Dostal dirigiert einen Chor in der Kirche.

„Wir sind ein Tablett für das Wort Gottes“

Die Diözesanfachstelle für Kirchenmusik erhält und schafft mit wenig Mitteln Kultur für alle

„Friede sei ihr erst Geläute“ – so endet Schillers berühmtes „Lied von der Glocke“ und in diesem Vers fängt er ein, was eine Kirchenglocke zu leisten vermag: Gemeinschaft stiften. „Concordia soll ihr Name sein“, dichtet er kurz zuvor, denn „zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine, versammle sie die liebende Gemeine“. Diözesanmusikdirektor Dr. Christian Dostal, der Leiter der Fachstelle für Kirchenmusik, die auch für Beratung und Pflege von Kirchenglocken zuständig ist, sagt es so: „Die Glocken hören alle. Auch die, die nicht zur Messe kommen. Der Klang der Glocke verbindet nicht nur die Pfarrei, sondern auch die Gemeinde, es ist für alle im Dorf oder Stadtviertel unsere Glocke“. Gleiches gilt, wenn auch weniger über das Land und viele Generationen vernehmbar, für die Orgel. Sie ertönt bei Konzerten für die Allgemeinheit, sie macht Kultur hörbar.

Kirchenspitze eines Kirchturms.
Dr. Christian Dostal ist Diözesanmusikdirektor.

Mehr als nur ein Lied

Kirchenmusik ist mehr als ein paar Lieder in der Sonntagsmesse singen, deren Reime manchmal etwas gewollt anmuten. „Kirchen füllen sich in der Regel von hinten“, erklärt Dostal, „wenn einer in einer Bank sitzt, gilt sie als besetzt. So sitzen anfangs viele Individuen in den Reihen. Erst wenn die Orgel loslegt und wenn alle singen, entsteht Gemeinsamkeit. Singen stiftet Gemeinschaft.“ Es gehe auch nicht um „Musik in der Kirche, sondern um Kirchenmusik. Entscheidend ist immer die Botschaft. Die Musik, das Lied, der Chor, die Orgel, sie bilden den Samtteppich, der zur Frohen Botschaft hinführt.“ Liturgie und Kirchenmusik seien „untrennbar verbunden“. Das Zweite Vatikanische Konzil habe den Auftrag formuliert, diese innere Verbindung zwischen Liturgie und Kirchenmusik als Schatz neu zu entdecken und zu heben. „Das tun wir mit unseren bescheidenen Mitteln in der ganzen Diözese, bis in jede Pfarrei“.

Das Budget der Fachstelle beträgt rund eine halbe Million Euro. Davon gehen 400.000 Euro in die Personalkosten, die restlichen 100.000 Euro werden für die Honorare der Lehrkräfte, die Fortbildungen der haupt- und nebenamtlichen Chorleiter, Chorsänger, Organisten und anderen Angestellten der Diözese in Sachen Kirchenmusik aufgewandt. „Auch den Seminaristen bringen wir bei, wie wichtig das Singen für die Liturgie und eine würdige Feier der Eucharistie ist. Und wenn sie selbst einfach nicht singen können, dann wollen wir sie doch für die Schönheit und Harmonie der Feier sensibilisieren“.

Stephan Merkes gibt Orgelunterricht.
Stephan Merkes gibt Orgelunterricht.

Regionalkantoren: Die fahrenden Kirchenmusiker

Zum Personal der Fachstelle gehören auch die Regionalkantoren. Sie sind fahrende Kirchenmusiker, die vor Ort Chorleiter und Organisten ausbilden. Sie betreuen selbst eine Pfarrei und fahren durch die Diözese zu ihren Schülern in den anderen Pfarreien. Der Unterricht ist kostenlos, sozusagen eine Investition in die musikalische Zukunft der Pfarreien, denn die von den Regionalkantoren aus- und fortgebildeten Kirchenmusiker geben später oder schon gleichzeitig in ihren Pfarreien den musikalischen Ton für den Lobpreis Gottes an. Regionalkantoren sind Angestellte des Bistums. Jeder kostet inklusive aller Fahrten durch das Bistum rund 85.000 Euro pro Jahr. Aber ohne sie und ihre Arbeit vor Ort gäbe es schon heute sehr viel weniger Organisten und Chöre. Sie entzünden die musikalischen Leuchttürme in der Diözese. Sie begeistern für die Kirchenmusik. Und diese Begeisterung des Nachwuchses, die Qualität des Chorgesangs und der Orgelfülle in den Kirchen erheben das Gemüt der Menschen – nicht nur in den festlichen Messen, sondern auch bei Konzerten. Ein Chor, der sich regelmäßig trifft, ein Orgelkonzert für alle, ein Solistenensemble und Instrumentalgruppen sind sicht- und hörbare Ergebnisse beständiger Schulung und Betreuung.

Ohne die Fachstelle für Kirchenmusik, ohne dieses mobile Netz der im wahrsten Sinn Kulturschaffenden würden Choräle verschwinden oder erst gar nicht entstehen, würden sich Gemeinschaften auflösen, würde die Kultur in der Region verarmen und schließlich wie in Zeitlupe wegbrechen. Die Kirchensteuermittel, so Diözesanmusikdirektor Dostal, „sind Gelder, die allen zugute kommen“. Man müsse sie als Investition in den kulturellen Bildungsbereich sehen, „gerade in unserem ländlich geprägten Bistum“ und „die Rendite ist schon heute auf den Gesichtern zu sehen: Freude, Freude, Gottesfunken“.

Thomas Loeffelmann ist Musikdirektor.
Musikdirektor Thomas Löffelmann spielt an der Orgel.

Gebaut in Den Haag – Zuhause in Regensburg

Die Investition im Bereich der Orgelmusik ist sogar auch materiell sichtbar. Durch die Profanierung vieler Kirchen in Europa werden Orgeln auf dem Markt angeboten, unter ihnen manche Schmuckstücke. Das ist die Stunde von Dostals Stellvertreter, Musikdirektor Thomas Löffelmann. Er ist der „Diözesanbeauftragte für das Orgelwesen“ und Kirchenmusiker in der Pfarrei St. Josef Regensburg-Reinhausen. Seine Marktbeobachtung und Kontakte mit Orgelspezialisten in aller Welt führen dazu, dass er auf eine schöne Orgel in Den Haag-Voorburg (Niederlande) aufmerksam wurde. Er sah als möglichen neuen Standort sofort die Pfarrkirche Mater Dolorosa in Regensburg, die eine neue Orgel brauchte, diese aber nicht bezahlen konnte. „Ich prüfte die Orgel vor Ort und erhielt von der dortigen Voorburger Pfarrgemeinde den Zuschlag für die Pfarrei Mater Dolorosa in Regensburg, weil unsererseits ein schnelles Genehmigungsverfahren zugesichert werden konnte. Die neue Orgel fügt sich so harmonisch in die Kirche ein, als wäre sie wie ein Neubau eigens dafür entwickelt worden“. Solche alten Orgeln haben einen Wert, der den Wert einer neugebauten Orgel weit übersteigt. Hier wird, so Thomas Löffelmann, „viel viel Geld gespart und dennoch höchste Qualität erworben“.

Schiller dichtet zu Beginn seines Lieds von der Glocke: „Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben; Doch der Segen kommt von oben“. Es könnte das Motto der Fachstelle für Kirchenmusik sein. Mit den Worten des Diözesandirektors Dostal: „Wir bemühen uns. Aber richtige Kirchenmusik ohne Glauben kann ich mir nicht vorstellen. Wir sind wie ein Tablett für das Wort Gottes.“


Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über seine Person und sein Team

Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über Finanzen und Honorare

Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über die Entwicklung der Kirchenmusik

Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über die Kirchensteuermittel

Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über den Orgelankauf

Dr. Christian Dostal im Interview.

Dr. Christian Dostal,

über Regionalkantoren

Stephan Merkes, Regionalkantor im Bistum Regensburg, im Interview.

Stephan Merkes,

Regionalkantor

Pfarrkirche "Zu den Zwölf Aposteln" von Innen mit Blick auf die Empore.
Stephan Merkes steht auf der Empore mit Blick auf den Altar.
Drei Notenblätter nebeneinander aufgefächert.
Regionalkantor Stephan Merkes im Hintergrund ein Bleiglasfenster.
Altrar der Pfarrkirche "zu den Zwölf Apoteln.
Eine Frau lächelt den Priester an.
Zwei Frauen des Kirchenchors im Portrait
Regionalkantor Stephan Merkes im Hintergrund der singende Chor.
Die Frauen des Chors singen gemeinsam.
Vier Frauen des Chors singen gemeinsam.
Eine Frau des Chors im Portrait während sie singt.

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