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Baustein für eine gute Gesellschaft

Kirche und Staat kooperieren beim Religionsunterricht

„Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“ So regelt das Grundgesetz in Artikel 7, Absatz 3 den Religionsunterricht an allen Schulen: Der Staat veranstaltet den Unterricht. Er kann aber nicht allein über seinen Inhalt und über andere Modalitäten bestimmen. Denn: Der Staat ist bekenntnisneutral. Er kann nicht bestimmen, was Glaube der verschiedenen Kirchen oder Religionen ist. Das ist Sache der jeweiligen Religionsgemeinschaften.

Die Kirche hat Mitspracherecht beim Religionsunterricht

Daher hat die Kirche ein hohes Mitspracherecht, wenn es um den Religionsunterricht geht – schon durch die Verfassung. Dieses Recht nimmt in Regensburg vor allem die Hauptabteilung Schule und Hochschule wahr. Matthias Fritsch ist der stellvertretende Leiter dieser Abteilung. Seine Aufgaben sind vielfältig: Er kümmert sich um die Aus- und Fortbildung von Lehrern, übernimmt letztere und prüft in der Schulbuchkommission neue Lehrbücher für den Unterricht.

Ein aufgeschlagenes Schulbuch.
Prof. Matthias Fritsch im Portrait.

Gute Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche

Wer Lehrer an den Grund-, Mittel- und Förderschulen wird, absolviert einen Teil seiner Ausbildung im sogenannten „Religionspädagogischen Seminar“. Ebenso die kirchlichen Angestellten, die einen Teil ihrer Arbeitszeit in der Schule verbringen: Pfarrer und Kapläne, Pastoral- und Gemeindereferenten geben bis zu acht Stunden Religionsunterricht wöchentlich, meistens an der Grundschule. „Jeder Geistliche und pastorale Mitarbeiter sollte Religion unterrichten“, sagt Matthias Fritsch. Schließlich sei auch das Teil des Verkündigungsauftrags der Kirche. Der Staat ist zwar verantwortlich für den Religionsunterricht, die Kirche hat hier aber ein sogenanntes „Zugriffsrecht“: Die pastoralen Mitarbeiter haben ein Recht darauf, Religionsunterricht erteilen zu dürfen. Das entlastet auch den Staat und erspart ihm Unterrichtsstunden. Fritsch ist überzeugt von der guten Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat: „Hier gibt es ein gutes Einvernehmen mit den Schulämtern vor Ort. Wenn man lange genug dabei ist, kennt man sich sehr gut.“

Fortbildungen sind wichtig: „Man gewinnt neue Erkenntnisse“

Professor Fritsch organisiert auch die Fortbildung der Lehrkräfte. „Die Theologie bleibt ja nicht stehen. Man gewinnt neue Erkenntnisse.“ Die möchte er mit seinem Team an die Lehrerinnen und Lehrer weitergeben. Auch Lehrpläne ändern sich immer wieder, erst kürzlich wurde in Bayern der „Lehrplan Plus“ eingeführt. Plötzlich gibt es neue Themen, die den Schülern vermittelt werden sollen. Fritsch organisiert eine Fortbildung, die Lehrer bekommen ein Update. Auch der Umgang mit verschiedenen Medien wird immer wichtiger. Vor einigen Jahren war die Nutzung eines Beamers selten – heute ist sie im Unterricht kaum mehr wegzudenken. Im Lauf der Jahre schleicht sich auch bei jedem Lehrer Routine ein. Das kann sehr sinnvoll sein, sollte aber auch immer hinterfragt werden. Schließlich bieten die Fortbildungen auch eine gute Möglichkeit, sich mit den Kollegen auszutauschen.

Eine Gruppe Lehrer und Lehrerinnen während einer Fortbildung.

Das Bistum Regensburg finanziert die Fortbildungen der Lehrer

Diese Fortbildung lässt sich das Bistum Regensburg einiges kosten. Eine anderthalbtägige Tagung kostet zwischen 6.000 und 7.000 Euro. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Honoraren der Redner, den Kopier- und den Personalkosten, die in der Abteilung von Fritsch anfallen. Dazu kommen die Ausgaben für Verpflegung und gegebenenfalls Übernachtungen im Tagungshaus. Die anfallenden Kosten werden nur in sehr geringem Maße auf die Teilnehmer umgelegt: „Wir verlangen einen kleinen Unkostenbeitrag, der zwischen 15 und 25 Euro liegt. Wir wollen die Leute, die willig sind, sich fortzubilden, nicht bestrafen.“ Denn: „Wenn die Kirche an einem qualitätsvollen und gehaltvollen Unterricht interessiert ist, muss sie selbst tätig werden“, meint Matthias Fritsch.

Die Verantwortung für alle eingesetzten Schulbücher liegt in Regensburg

Das gilt auch für die im Unterricht benutzten Lehrbücher. „Damit ein Buch im Unterricht verwendet werden darf, braucht es eine Zulassung“, erklärt der Professor. Das gilt grundsätzlich für jedes Fach. Mit einer Ausnahme: Bei Religionsbüchern ist nicht nur der Staat, sondern auch die jeweilige Religionsgemeinschaft beteiligt. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei der inhaltlichen Verantwortung des Unterrichts: Der Staat kann den Unterricht zwar veranstalten, wegen seiner religiösen Neutralität aber nicht alleine die Inhalte festlegen. Das muss Aufgabe der Kirche sein. Damit nicht jedes Buch in jedem Bistum langwierig genehmigt werden muss, hat die deutsche Bischofskonferenz drei Schulbuchkommissionen eingerichtet. Eine von ihnen sitzt in Regensburg; Fritsch ist verantwortlich für alle Lehrbücher, die in Bayern zum Einsatz kommen sollen.

Prof. Matthias Fritsch steht vor einem Regal mit Schulbüchern und hält eines in den Händen.
Prof. Matthias Fritsch schüttelt einem Kollegen während einer Fortbildung die Hand.

Die Schulbuchkommission für Bayern sitzt in Regensburg

Er prüft die ersten Entwürfe gemeinsam mit einem Gremium aus Lehrern und Professoren, zu dem auch der Würzburger Weihbischof Boom gehört. „Ein Schulbuch hat eine lange Genese hinter sich“, sagt Fritsch. Immer wieder müssen diese Bücher überarbeitet werden. Der graphische Stil ändert sich, Lehrpläne ebenso. Die Kosten für diese Schulbuchkommission werden aufgeteilt. Die Honorare der Gutachter tragen die bayerischen Diözesen gemeinsam. Die Arbeit von Fritsch als Koordinator trägt allein das Bistum Regensburg – andere Bistümer kommen dafür für andere Ausgaben der Bischofskonferenz auf.

Professor Fritsch ist überzeugt vom deutschen Konzept des Religionsunterrichts: „Ein Staat profitiert davon, dass religiöse Haltungen in einer Gesellschaft da sind. Damit profitiert der Staat auch vom Religionsunterricht.“ Hier ist Platz für Diskussionen über Werte, für die Frage nach dem Sinn. „Die Frage wird doch immer wichtiger: Was hält uns noch zusammen?“ Der Religionsunterricht liefert einen wertvollen Beitrag mitten in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft.

Ein Interview mit Professor Matthias Fritsch zu aktuellen Herausforderungen des Religionsunterrichts lesen Sie auf der Homepage der Diözese Regensburg: https://www.bistum-regensburg.de/news/die-zukunft-des-religionsunterrichts-6354/

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