"Wir helfen jungen Menschen mit Förderbedarf durch unser ganzheitliches Konzept. Ziel ist die volle Teilhabe an der Gesellschaft und ein eigenständiges Leben. Diesen Auftrag, den wir auch als Berufung zur sozialen Verantwortung empfinden, führen wir nicht zuletzt im Auftrag unseres Trägers, der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V., aus".

Walter Krug, Gesamtleiter
Berufsbildungswerk St. Franziskus

Fit machen für’s Leben

Im Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg lernen Jugendliche mit Förderbedarf einen Beruf und vieles mehr 

Manche Probleme haben keine Lösung, nur Geschichte – der kolumbianische Philosoph Nicolás Goméz Dávila meinte bei dieser Weisheit die große Politik, aber sie gilt auch für das kleine Leben von nebenan. Die Geschichte von Taher Mirzai ist jedenfalls so ein Problem ohne sichtbare Lösung. Der Vater kam bei Kämpfen in Afghanistan ums Leben, Mutter und Schwester sind irgendwo im Iran, der Kontakt ist verloren gegangen, er selber konnte fliehen, 2014, und strandete in einem fremden Land, allein mit seinen 16 Jahren, ohne die Sprache zu verstehen. Was konnte er da tun? Das Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg fügt der Geschichte ein Kapitel an, ein gutes Kapitel. Es bot Taher die Chance, einen Beruf zu erlernen. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, schafft aber eine Perspektive. 

Taher lernte deutsch. Nach drei Jahren versteht er jetzt gut, was der „Meister“ sagt. Arno Ehrenleitner ist der Ausbilder und er bringt ihm den Beruf des Metallbauers bei, Fachrichtung Konstruktionstechnik. „Hier kann er den ganzen Tag schweißen, flexen, schneiden, fräsen und drehen. Das ist der Vorteil dieses Berufsbildungswerks, dass wir ihm das fünfmal erklären können, es gibt keinen Produktions- und Leistungsdruck wie in normalen Betrieben“. Später werde er in kleinen Betrieben arbeiten können „und zwar auf dem ersten Arbeitsmarkt, das ist das Ziel.“

Die berufliche Kompetenz ist nur ein Teil der Lösung. Viele junge Leute kommen in diese Einrichtung der KJF, weil sie woanders gescheitert sind und sich hier beruflich eine zweite oder dritte Chance eröffnet. Nicht wenige kämen „aus der Delinquenz“, sagt Meister Ehrenleitner, „hatten Drogenprobleme, leiden an psychischen Krankheiten wie ADHS, Borderline, Neurosen, psychosomatischen Störungen, Epilepsie oder Autismus. Wir machen sie hier fit für’s Leben durch die Arbeit. Ohne uns stünden viele auf der Straße“.  Was der Ausbilder da mit knappen Worten sagt, ist ein großes Programm. Das Berufsbildungswerk St. Franziskus ist eine der führenden Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation und Integration in Deutschland. Es bietet jungen Menschen „mit Behinderungen oder besonderem Förderbedarf“ – wie Taher – betreutes Wohnen, Arbeiten und Lernhilfen. Gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte, angefangen vom Handwerksmeister mit Zusatzqualifikation über Sozialpädagogen, Psychologen und Erzieherinnen bis hin zu Sonderpädagogen,  begleiten über 500 junge Menschen in ihrer Zeit im B.B.W. St. Franziskus Abensberg, die aus 14 Bereichen einen von 36 Berufen lernen können. Damit sollen sie später aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt sichern und eigenverantwortlich in der Gesellschaft zurechtkommen.

Taher wird seine Ausbildung im Frühjahr 2019 abschließen. „Dann muss er die Prüfung bestehen“,  sagt der Meister und schaut auf seinen Schützling, „aber der Taher wird das schon schaffen“. Ehrenleitner hat Vertrauen zu dem jungen Afghanen, in seinem Blick liegt väterliche Sorge, Strenge und Güte zugleich. Ehrenleitner freut sich, dass Taher hier auch Freunde gefunden hat. „Das tut ihm gut. Der Beruf ist das eine. Wichtiger ist, dass wir ihnen helfen, auch Selbstvertrauen und Lebensfreude wiederzugewinnen“.

Im B.B.W. St.Franziskus Abensberg haben Taher, seine Freunde und die anderen ein stabiles Umfeld, das fordert und fördert. Auch hier wirkt das ganzheitliche, am Menschen orientierte  Konzept, so wie es in allen Einrichtungen der KJF den Grundton angibt. Für den Gesamtleiter von St. Franziskus Abensberg, Walter Krug, ist es ein „Auftrag, den wir auch als Berufung zur sozialen Verantwortung empfinden“. St. Franziskus helfe „in erster Linie, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und fördert die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Es ermöglicht so ein inklusives Leben in Selbständigkeit“. Auf diese Weise werde auch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umgesetzt.

Tahers Probleme sind damit nicht alle gelöst, aber seine Geschichte hat einen guten Lauf genommen. Einmal wird er seine Mutter und Schwester wiedersehen, vielleicht selber eine Familie gründen und er wird stolz sein können auf seinen Beruf. Das ist fast schon eine Lösung.


"Basst scho! - Schon nach wenigen Wochen war Taher ein richtiger Bayer."