"Das war schon toll mit anzusehen. Anna kann jetzt selbstständig ein Spiel spielen, sie braucht keinen mehr, der ihr die Hand führt. Sie kann das jetzt einfach für sich alleine machen. Das war schon sehr bewegend.
Ein Riesenschritt in ihre Selbstständigkeit."

Katrin Aigner
Mutter von Anna

Sie bereichern die Gesellschaft

Förderschulen wie St. Gunther und St. Wolfgang begleiten Kinder mit Handicap ins Leben

Katrin liest ihrer Tochter Anna jeden Gedanken von den Augen ab – sprichwörtlich. Denn Anna „redet“ über den Computer per Augenkontakt, sie ist schwerstbehindert und kann nicht sprechen. Die Kommunikation zwischen Mutter und Kind, ja zwischen Anna und der Welt ist wieder möglich. Thomas Herbst, der Leiter der Förderschule St. Gunther in Cham, hat dafür gekämpft, dass Anna einen solchen Computer bekommt, die Krankenkasse war zuerst dagegen und die Familie von Anna konnte das Geld dafür nicht aufbringen. „Wir wollten Anna eine Stimme geben“, sagt Thomas Herbst.

Anna ist kein Einzelfall. Die meisten Kinder in der von der KJF getragenen Förderschule St. Gunther sind auf Hilfe angewiesen, die einen mehr, die anderen weniger. Integrative Erziehung und das Zusammenleben von Kindern mit und ohne Behinderung ist das Konzept der Schule. „Das tägliche Zusammensein weckt die Aufmerksamkeit füreinander, entwickelt das gegenseitige Einfühlungsvermögen und fördert Hilfsbereitschaft“, erklärt Thomas Herbst. Der Lebensraum der Kinder werde so gestaltet, dass sich die Kinder geborgen, sicher und so angenommen fühlen, wie sie sind. „Das Zusammenwirken von Erziehern, Therapeuten und Eltern ist Grundlage für die individuelle, gezielte Förderung des Kindes“.

Die Förderung ist auf das Alter und den Grad der Entwicklung und Behinderung abgestimmt. Zur Bildungsstätte St. Gunther gehören eine Schulvorbereitende Einrichtung, das Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Tagesstätte und Frühförderstelle. In dieser erfahren Kinder im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter eine pädagogisch-psychologische und medizinische Betreuung oder Therapie aus einer Hand. Ein interdisziplinär arbeitendes Team begleitet die Entwicklung der Wahrnehmung, Motorik und Sprache sowie die geistigen und sozialen Fortschritte. In der Tagesstätte werden die Kinder in enger Zusammenarbeit mit Elternhaus und Schule vor allem auf den Gebieten Lebenspraxis und Selbstversorgung sowie Freizeitgestaltung gefördert, so dass eine größtmögliche Selbständigkeit in der Lebensbewältigung der Kinder und Jugendlichen erreicht wird. Das erleichtert später die soziale und gesellschaftliche Integration.

St. Gunther ist eine staatlich anerkannte Förderschule mit einem starken kirchlichen Träger, der KJF. „Ohne die KJF könnte die Schule“, so Thomas Herbst, „ihren Bildungsauftrag nicht erfüllen“. Gleiches lässt sich sagen von der St. Wolfgang-Schule in Straubing. Beide Förderzentren gliedern sich in Grundschulstufe, Mittelstufe und Berufsschulstufe. Auch in St. Wolfgang orientiert sich das Lernangebot an der Gesamtheit der Lebens- und Lernbedürfnisse, am Entwicklungsstand und Lernvermögen der Schülerinnen und Schüler. Grundsätzlich hat die therapeutische Arbeit zum Ziel, die bestehenden Entwicklungsdefizite zu vermindern. Dies geschieht in Form von Einzelbehandlungen und Behandlungen in der Kleingruppe, in manchen Fällen gehen die Therapeuten/innen zur individuellen Unterstützung des Kindes auch mit in den Unterricht.


Leben und lernen in den KJF-Förderschulen St. Gunther und St. Wolfgang


Alexander hat all diese Stufen erfolgreich erklommen. Nachhaltig beeindruckt zeigt sich Alexanders Mutter Claudia von der „Menschlichkeit und Herzlichkeit im Umgang zwischen Lehrern, Eltern und Kindern“. Das habe Alexander sofort gespürt, als sie hierher kamen. Jahrelang war Claudia Grubmüller im Elternbeirat gewesen, immer habe sie diese liebevolle Herzlichkeit beobachtet. Die Kinder und Jugendlichen würden so angenommen, wie sie sind. „So hat Alexander gelernt, zu helfen und sich helfen zu lassen“. „Stolz wie Oskar“ sei er gewesen am ersten Schultag und „ein bisserl traurig“ am letzten. Auch in St. Gunther ist es „der Geist der Wertschätzung“, wie die Lehrkräfte sagen, der den Kindern, Eltern und auch dem Lehrpersonal schlicht Gutes tut. Die Lebensfreude, die die Kinder und Jugendlichen ausstrahlen, sind für „uns der beste Beweis dafür, dass Liebe fördert und belebt“.

Im Mittelpunkt der ganzheitlichen Förderangebote an beiden Schulen stehen die individuelle Selbstentfaltung, die Persönlichkeitsentwicklung und die Integration der Kinder und Jugendlichen in die Gesellschafts-, Lebens- und Berufswelt. Vor diesem Schritt stehe nun auch Alexander, dank der Schule. Jetzt könne er „arbeiten und wohnen, wie jeder, der erwachsen wird“.

Parallel zur St. Wolfgang-Schule unterhält die KJF das Nardiniheim. Fachpersonal betreut dort Kinder und Jugendliche, deren Familien eine deutliche Entlastung und Unterstützung benötigen. In enger Absprache mit den Sorgeberechtigten werden die Heimbewohner pflegerisch und medizinisch versorgt und pädagogisch gefördert. Dabei legt das Heim besonderen Wert auf lebenspraktische Selbstständigkeit, Sozialverhalten, Freizeitgestaltung und gesellschaftliche Integration. Im Nardiniheim wird auch für Kinder und Jugendliche gesorgt, die ihre Familie verloren haben. Die Heimbewohner besuchen die St. Wolfgang Schule. Und auch hier wieder: Kind und Mensch stehen im Mittelpunkt.

St. Gunther gibt es seit 1976, St. Wolfgang in der Trägerschaft der KJF seit 1973. In diesen Jahrzehnten sind wie Anna und Alexander in den 12 Förderschulen der KJF mehrere tausend Kinder gefördert und ins Leben begleitet worden. Sie bereichern unsere Gesellschaft,  sie schenken und fordern Menschlichkeit. Ohne Träger wie die KJF wäre diese Förderung nicht möglich. Und die Gesellschaft wäre ärmer.


Die Elternbeiratsvorsitzende Katrin Aigner über die Bildungsstätte St. Gunther

Alexander und Claudia Grubmüller in der ehemaligen Bildungsstätte St. Wolfgang

Thomas Herbst, Leiter der Bildungsstätte St. Gunther, über die Sprachsteuerung der kleinen Anna Aigner

Leben und Lehren in der Bildungsstätte St. Wolfgang

Katrin Aigner über die
Bildungsstätte St. Gunther

Alexander und Claudia Grubmüller,
Bildungsstätte St. Wolfgang

Thomas Herbst über der Geist
der Bildungsstätte St. Gunther

Leben und Lehren in der
Bildungsstätte St. Wolfgang