"Die KJF möchte zusätzlich zur schulischen und beruflichen Bildung und Arbeit auch im Bereich Wohnen immer mehr inklusive Angebote verwirklichen. St. Klara ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut das inklusive Zusammenleben funktionieren kann."

Michael Eibl, Direktor
Katholische Jugendfürsorge

Sankt Klara – Zuhause für alle

Eine inklusive Wohnanlage für Menschen mit Behinderung und junge Mütter mitten in Regensburg

Was braucht ein Kind? Der große Pädagoge Pestalozzi hat das mal in drei Z zusammengefasst: Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit. Zu seiner Zeit gab es das massive Wohnproblem nicht. Die KJF in Regensburg hat nun noch ein viertes Z hinzugefügt: Zuhause. Das bietet die inklusive Wohn- und Sozialeinrichtung St. Klara in der Ostengasse. Hier haben alleinstehende, nicht selten auch minderjährige Mütter mit Kindern mehr als eine Wohnung. Denn das Mutter-Kind-Wohnen ist eingebettet in ein Netzwerk mit Ärzten, Schuldnerberatung, Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten und einer Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der KJF, die gerade auch bei Problemen im frühkindlichen Bereich hilft. So werde den jungen Müttern Perspektiven eröffnet, sagt Robert Gruber, zuständiger Abteilungsleiter der KJF.

Nicht alle Teile der ehemaligen Klosteranlage stehen unter Denkmalschutz. Im ältesten Teil wird das Wohnen für Mutter und Kind ermöglicht. Für jedes der sechs Appartements hat man zwei der früheren, kleinen Klosterzellen zusammengelegt, um einen Wohnraum, ein Kinderzimmer, eine Küche und ein Bad einrichten zu können. Dort sind sogar die alten Türpfosten erhalten. Die inklusiven Wohnangebote verursachte Kosten in Höhe von insgesamt 5,28 Millionen Euro. Neues Leben in alten Mauern, das gibt es in Regensburg zwar öfter. Das Projekt, das die KJF im ehemaligen Kloster St. Klara in der Ostengasse aufzieht, ist aber mehr als das: Hier entstanden Wohnungen und Appartements für Menschen mit und ohne Behinderung und für junge Mütter mit ihren Kindern – Inklusion, wie sie vielfach gefordert, aber noch selten realisiert wird. Ein Zuhause gegenseitiger Zuwendung.

Die Wohnungen haben die Bewohnerinnen und Bewohner mit viel Liebe zum Detail und nach ihrem Geschmack eingerichtet. Entstanden sind 38 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe. Ungefähr die Hälfte der Wohnungen ist komplett für Menschen mit Behinderung eingerichtet, mit verstellbaren Küchengeräten, Fensterbänken, die so hoch sind, dass ein Mensch im Rollstuhl aus dem Fenster schauen kann, zwei Aufzügen, kraftbetätigten Türen, breiten und bodengleichen Zugängen sowie speziellen Hilfen und Vorrichtungen für Rollstuhlfahrer. 

20 Parkplätze sind ebenfalls vorhanden und überhaupt alle nur denkbaren nötigen Hilfsmittel, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung erleichtern. Auch der Klosterinnengarten ist barrierefrei gestaltet worden. St. Klara beherbergt eine stationäre und eine ambulante Wohngruppe für Menschen mit körperlicher Behinderung. Zu den Baukosten kamen rund 800 000 Euro für die Barrierefreiheit und elektronische Hilfsmittel für Schwerstbehinderte, die sonst nicht einmal den Wasserhahn betätigen könnten.

Auch die Stadt Regensburg hat ihren Teil dazu beigetragen, dass am Rande der Altstadt in diesem denkmalgeschützten Ensemble behindertengerechtes Wohnen ermöglicht wird: Seit 1968 war die Stadt Eigentümerin des Gebäudekomplexes, nachdem die Klarissinnen das Kloster aufgegeben hatten. Als die Stadt ihn verkaufte, erhielt den Zuschlag nicht der Investor, der am meisten bezahlte, sondern der, der für die künftige Nutzung eine innovative soziale Idee hatte. Die hatte die Unternehmensgruppe Peter Trepnau, die ihre Ideen mit der KJF realisierte. Insgesamt 12 Mio. Euro hat die Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. in das zukunftsweisende Projekt: „bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum“ sowie die Räumlichkeiten der Erziehungsberatungsstelle investiert. Dazu musste ein Kredit aufgenommen werden. Der Bezirk hilft ebenfalls mit (über die Pflegesätze), außerdem kommt Geld durch die (moderaten) Mieten der Bewohner und der Erziehungsberatungsstelle der Stadt Regensburg herein.

Bei der Einweihung wies Bischof Rudolf darauf hin, dass die Kontinuität in der Nutzung des Klosters durch die Kapuziner, die Klarissinnen und zuletzt das Ostkirchliche Institut mit der Botschaft des Herz-Jesu-Tages gut zusammenklinge. Die Metapher „Herz Jesu“ stehe für die Wirklichkeit Gottes, die göttliche Liebe und Zuwendung. „Gott ist uns in herzlicher Liebe zugewandt“, so der Bischof. „Die KJF ist das Herz der Kirche für Kinder und Jugendliche, die besonderer Hilfe bedürfen.“

Bezahlbarer Wohnraum mitten in der Stadt für bedürftige Menschen mit und ohne Behinderung, für Mütter und ihre Kinder – die bunte Mischung an unterschiedlichen Menschen hat in St. Klara einen Lebens-Ort geschaffen, an dem Inklusion als etwas ganz Alltägliches gelebt wird. „Die Mischung muss stimmen“, sagt der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF), Michael Eibl. Denn verordnen könne man Miteinander und Toleranz natürlich nicht. Er hoffe aber, dass der geräumige Hof im früheren Kreuzgang dazu beitragen wird, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen und Kontakte pflegen.

Der KJF sei es vor allem daran gelegen gewesen, ein innovatives Wohnkonzept umzusetzen, in dem Behinderte und Nichtbehinderte miteinander wohnen können und dies zudem mitten in der Stadt und nicht abseits in einem entfernt liegenden Wohngebiet. Eibl: „Die KJF möchte zusätzlich zur schulischen und beruflichen Bildung und Arbeit auch im Bereich Wohnen immer mehr inklusive Angebote verwirklichen. St. Klara ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut das inklusive Zusammenleben funktionieren kann". Das Denkmal des ehemaligen Klosters St. Klara werde gewürdigt und biete dennoch einen hohen Nutzwert.

Er freue sich besonders darüber, dass „es uns mit diesem Projekt gelungen ist, für Menschen mit Behinderungen im Herzen Regensburgs etwas Schönes anbieten zu können“. In der Tat: Kinder erfahren hier Zärtlichkeit, junge Mütter finden Zeit zur Lösung ihrer Probleme, Menschen mit Handicaps bekommen Zuwendung, sie alle haben ein Zuhause.


Inklusive Wohnanlage St. Klara