"Mein Name ist Johann Gröber. Ich bin seit der Gründung im Jahre 2004 der Geschäftsführer der Schulstiftung der Diözesen Regensburg. Die Aufgabe ist für mich aus mehreren Gründen sehr interessant. Zum einen, weil ich seit Beginn der Stiftung hier tätig bin, und man hier wirklich sehr gut und viel gestalten konnte. Und zum zweiten, weil wir eine Stiftung sind, die sehr schnell gewachsen ist. Zu Beginn waren wir noch 3 Schulen, heute sind es bereits 14. Ich verspüre jeden Tag eine innere Zufriedenheit, weil ich bei der Ausbildung von jungen Menschen mithelfen darf."

Die Schulstiftung der Diözese Regensburg

Geschäftsführer Johann Gröber zu den Aufgaben, Zielen und der Arbeitsweise der Stiftung

Die Schulstiftung trägt und verwaltet 14 der 62 katholischen Schulen im Bistum Regensburg. Sie kümmert sich um die Finanzierung. Sie besorgt die pünktliche Überweisung der Lehrergehälter. Sie übernimmt die Verantwortung für eine moderne technische Ausstattung und Möblierung der Schulen. Sie beauftragt und begleitet die fristgerechte und zeitgemäße Renovierung der Gebäude. Sie sorgt für die Zusammenarbeit mit den Förderbehörden und beantragt die staatliche Refinanzierung. Sie gestaltet die Arbeitsverträge, bewältigt die Personalangelegenheiten und rechnet mit den Sozialversicherungsträgern ab.

Derzeit besuchen rund 6.000 Schulkinder die 14 Schulstiftungsschulen. Um ihnen eine bestmögliche Bildung zu ermöglichen, arbeiten 450 Lehrkräfte in Voll- oder Teilzeit. Dazu kommen 150 weitere Angestellte wie Hausmeister, Sekretärinnen, Reinigungskräfte oder Erzieherinnen. Zusammen sind das rund 600 Menschen, die bei der Schulstiftung beschäftigt sind.

Moderne Schulgebäude für alle Regionen

Einige Stiftungsschulen leben ihren Schulalltag in neuen Gebäuden. Die Mädchenrealschule in Schwandorf etwa wurde 2007 fertiggestellt oder die Bischof Manfred Müller Schule in Regensburg 2001. Der letzte größere Neubau, verbunden mit einer Renovierung der Bestandsimmobilie, betraf 2014 das Maristen Gymnasium in Furth. Andere Stiftungsschulen befinden sich in älteren oder historischen Gebäuden. Zurzeit sanieren wir die Regensburger St. Marien-Schulen. In naher Zukunft stehen zwei sehr große weitere Maßnahmen an. Die eine betrifft zwei Realschulen in Cham, die eine bis jetzt eine reine Mädchen-, die andere eine reine Jungenschule. Beide sollen zu einer großen Realschule zusammenführt werden. Die andere Maßnahme betrifft die Mittel- und Realschule in Oberroning, die in den kommenden Jahren von Grund auf zu sanieren ist. Zusammengenommen werden wir für beide Maßnahmen mehr als 70 Mio € ausgeben. Das jedenfalls schätzen die Architekten. Die Kirche investiert diese Gelder in die Zukunft unserer Kinder.

Die Bauplanung

Bei einem Bauvorhaben wird zunächst durch das Baureferat der Diözese der sogenannte „Baufall“ festgestellt. Ist das geschehen, plant das Baureferat, welche Kompetenzen in das Ausführungsteam einzubeziehen sind. Dazu zählen in der Regel Architekten, Ingenieurbüros und der Denkmalschutz, denn mit unseren alten klösterlichen Gebäuden stehen wir in kultureller und historischer Verantwortung. Der ausgesuchte Architekt nimmt eine erste grobe Kostenschätzung vor. Sie ist die Grundlage des Entscheidungsprozesses unserer Gremien. Über die Ordinariats-Konferenz, das Leitungsgremium der Diözese, und den Stiftungsrat der Schulstiftung geht die Anfrage an den Diözesansteuerausschuss. Die Baumaßnahme muss natürlich auch mit der Regierung als Förderbehörde abgestimmt werden. Erst wenn diese Abstimmungen alle erfolgt sind, geht es in die Realisierung.

Die Finanzierung

Die Finanzierung setzt sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen. Den einen trägt zu fast 50 Prozent die Förderinstitution, das ist der Freistaat Bayern, den zweiten trägt die Kirche, also das Bistum. Das heißt konkret: Kostet eine Baumaßnahme 30 Mio €, trägt die Kirche, also die Schulstiftung oder die Diözese, davon 16 Mio €. Diese Mittel stammen in der Regel von den Kirchensteuer zahlenden Katholikinnen und Katholiken. Aus diesem Grund muss der Antrag dem Diözesansteuerausschuss vorgetragen werden, dem Gremium, das über den Einsatz von Kirchensteuern entscheidet und das sich aus mehrheitlich gewählten Mitgliedern zusammensetzt. Erst wenn der 16-köpfige Ausschuss dem Antrag zustimmt, darf das Bistum Regensburg die nötigen Gelder bereitstellen.

Die Durchführung

Projektbetreuer der Schulstiftungsbauvorhaben ist das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk der Diözese Regensburg, das bereits sehr viele solcher Maßnahmen durchgeführt hat. Dank der Professionalität und Erfahrung unserer Kollegen, hielten wir bisher in jedem Fall den festgelegten Kostenrahmen ein. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis enger Kooperation aller Beteiligten und einer strengen Planung. Nur so können wir dem Vertrauen der Kirchensteuerzahler und der Aufsichtsgremien gerecht werden.

Klare Richtlinien und Zielvorgaben

Ich erläutere den Ablauf einer Investition am Beispiel unserer größte Einrichtung. Die Sankt-Marien-Schulen bestehen aus zwei Schulen, die in einem großen, historischen Gebäude am Rande der Regensburger Altstadt untergebracht sind. Die Realschule und das Gymnasium besuchen mehr als 1.300 Schülerinnen. Das Gebäude wurde in mehreren Stufen generalsaniert. Derzeit sind wir bei der letzten Stufe, die das Bestandsgebäude nachhaltig modernisieren wird. Der letzte Bauabschnitt umfasst einen Kostenrahmen von 17,5 Mio €. 2018 werden wir die gesamte Sanierung abgeschlossen und insgesamt 28,1 Mio € investiert haben. Sowohl mit dem Investitionsvolumen als auch mit der Bauzeit von 9 Jahren wurde von vornherein geplant. Die 9 Jahre mögen als lange Zeitspanne erscheinen, aber wir bauen ja nicht irgendetwas auf der grünen Wiese. Parallel zur Baumaßnahme werden auch die 1.300 Schülerinnen beschult. Das ist mit einigen Einschränkungen verbunden, aber die Schülerinnen und Lehrkräfte nehmen das in Kauf, denn sie wissen, dass hier wieder etwas Schönes und Neues entsteht.

Wenn es die kirchlichen Schulen nicht gäbe...

Die Investitionen lohnen sich. Jeder Euro ist ein Beitrag zum Gemeinwohl und zur Zukunft unserer Gesellschaft. Gäbe es unsere 14 katholischen Schulen nicht, dann wäre der Staat verpflichtet, diese mehr als 6.000 Schüler, die die Stiftungsschulen besuchen, zu beschulen. Es wäre dann der Staat, der sich zu 100 Prozent um die Gebäude zu kümmern hätte, der die Personalverantwortung tragen müsste, der Lehrer, Verwaltung, Ganztagsbetreuung, Förderunterricht, Sportförderung, Theater-AGs, Konzerte, Schulchöre und vieles mehr für die 6.000 Schulstiftungsschulkinder zu organisieren hätte. 

Wahlfreiheit für die Eltern

Ich denke, dass ein sehr großer Teil der Schullandschaft fehlen würde, wenn es die kirchlichen Schulen nicht gäbe. Denn es ist ja so: die Schüler werden uns nicht zugeteilt, wie das beim Staat aufgrund der Sprengellösung ist. Die Schülerinnen und Schüler kommen freiwillig zu uns. Obwohl sie ein geringes Schulgeld bezahlen müssen. Also haben wir irgendwas, was es den Kindern oder den Eltern wert ist, sich für unsere Schulen zu entscheiden. Die Existenz katholischer Schulen – und darüber hinaus aller Schulen in privater Trägerschaft - ist Ausdruck der Wahlfreiheit und Selbstbestimmung, die Eltern für sich und ihre Kinder in Anspruch nehmen wollen.Der Staat gewinnt durch private Schulträger

Was es den Staat kostete, wenn er alle Schulen selbst übernehmen würde, können wir nur schätzen. Das katholische Schulwerk in Bayern untersuchte die Frage in einer vergleichenden Studie. Im Ergebnis lässt sich die Einsparung nicht genau beziffern. Deutlich ist jedoch: Schüler, die katholische Schulen besuchen, sind für die Gemeinschaft der Steuerzahler wesentlich günstiger als die Schüler, die Schulen in staatlicher Trägerschaft gewählt haben. Dabei spielen die Personalkosten und die immer wieder anstehenden Investitionen eine entscheidende Rolle.

(Redigierte und autorisierte Fassung des Filminterviews mit Johann Gröber vom 18.11.2016)

 

 



"Wir bauen für die Bildung und damit die Zukunft unserer Kinder im Bistum. Das zahlt sich aus."