"Wir spielen für Miriam." - Die deutschen Tischtennis-Meisterinnen im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia 2017"

Entscheidend ist die Liebe

 

Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf: Hier wird mehr als nur Wissen vermittelt

„Man lernt nur gut von dem, den man liebt“ – das Wort von Goethe könnte gut über der Tür des Lehrerzimmers der Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf stehen. In Zeiten der geforderten politischen Korrektheit und schneller Verdächtigungen ist es zwar leichtfertig, von Liebe zu sprechen. Aber die „Atmosphäre des persönlich wertschätzenden Umgangs miteinander“ ist, wie Schulleiterin Marlies Hoffmann sagt, ein Ergebnis offizieller Evaluation auch unter der Elternschaft, „viele Schülerinnen sagen: Das ist mein zweites Zuhause“. Hier wird ein Element des christlichen Leitbildes der Schule verwirklicht – so wie es Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Familiaris Consortio formulierte: Die Eltern seien „von Gott selbst als die ersten und hauptsächlichen Erzieher der Kinder bestellt und ihr Recht ist ganz und gar unveräußerlich. Diesem Recht aber entspricht bei den Eltern die […] Pflicht, mit ganzem Einsatz ein herzliches und aktives Verhältnis zu den Lehrern und Schulleitern zu pflegen." 

"Der Retter der Schule"

Das war schon immer so in Schwandorf und die Schule ist immerhin über hundert Jahre alt. 1916 wurde sie von den Dominikanerinnen gegründet. Die Mittel für die drei Klassen waren so knapp, dass die Schwestern „ihren Stuhl“ von Raum zu Raum mittragen mussten, es gab nur einen pro Schwester. Aber die Schule wuchs, immer standen die Eltern hinter ihr, halfen den Dominikanerinnen auch in der Zeit, als die Nazis die Schule schließlich enteigneten und zweckentfremdeten. In den letzten Kriegstagen wurde sie bei einem Bombenangriff fast ganz vernichtet. Aber die Schwestern fingen neu an und die Eltern halfen auch in den wirtschaftlich harten Jahren nach dem Krieg. Als der Orden die Schule aus personellen und finanziellen Gründen nicht mehr weiterführen konnte, übernahm die Diözese Regensburg ab dem Schuljahr 2003/2004 als neuer Träger die Mädchenrealschule.

Am 15.11.2003 unterzeichnete Gerhard Kardinal Müller, der damalige Regensburger Bischof, die Gründungsurkunde der Schulstiftung der Diözese Regensburg, die eigens für die kirchlichen Schulen des Bistums gegründet wurde und in die die Mädchenrealschule an diesem Tag aufgenommen wurde. Er ging deshalb mit Fug und Recht als „Retter der Schule“ in die Schulgeschichte ein. Heute sind 14 kirchliche Schulen Mitglied der Schulstiftung. Ohne die Stiftung müssten manche von ihnen schließen – für tausende Eltern unvorstellbar. In Schwandorf allein gehen heute rund 440 Mädchen in die 17 Klassen der Schule, das Lehrerkollegium umfasst 35 Lehrkräfte. Ein Lehrer resümiert: „Das ist alles wie eine ganz große Familie“. Schulleitung, Lehrkräfte, Angestellte, Schülerinnen sowie Eltern fühlen sich in der Schulfamilie geborgen.


Die Tischtennismannschaft der Mädchenrealschule St. Josef


Die Schulfamilie - Miriams Hoffnung

Sie ist jetzt auch die Familie von Miriam. Das dreijährige Mädchen leidet am Rett-Syndrom. Dieses gehört zu den Erkrankungen des autistischen Spektrums und geht mit schweren körperlichen Behinderungen einher. Es tritt unvorhersehbar auf und wird ausgelöst durch eine winzige Veränderung an einem einzigen Gen. Die Folge ist, dass ein Protein, das ab dem Alter von etwa einem Jahr für die Weiterentwicklung des Gehirns benötigt wird, nicht ausreichend hergestellt wird. Solange das Protein fehlt, ist die Weiterentwicklung blockiert. Das Rett-Syndrom betrifft fast ausschließlich Mädchen. Eine vollständige Heilung ist möglich, da keine Nervenzellen zerstört sind, sondern nur deren Verknüpfung blockiert ist. Die Forschung ist weit fortgeschritten, innerhalb weniger Jahre könnte es eine Therapie mit entsprechenden Medikamenten geben. Aber die Forschung ist teuer und ausschließlich auf Spenden angewiesen.     

Immer wieder geht das Geld aus. Die Schulfamilie der Mädchenrealschule in Schwandorf organisiert Benefizturniere, Sponsorenläufe, Ausstellungen und soziale Aktionen – der Erlös geht zu hundert Prozent in die Rett-Forschung, in die Rettung für Miriam. Sie soll wieder sitzen und greifen können, sie soll singen, tanzen, sprechen, lesen und schreiben lernen. Man lernt nur von dem, den man liebt. Die Mädchen lieben Miriam. Die Kleine lehrt sie leben.

Das ist Nächstenliebe konkret. Das ganzheitliche, christliche Menschenbild fordert von Schülerinnen, Eltern und Lehrkräften eben nicht nur eine hervorragende Wissens-, sondern auch eine ebenso anspruchsvolle Wertevermittlung. „Charakterbildung“, nennt es eine Lehrerin. Als traditionsreiche Bildungseinrichtung mit hohem Leistungsniveau erhielt die Mädchenrealschule in jüngerer Zeit höchste Auszeichnungen, Zertifikate und Prädikate und feierte große Erfolge, zum Beispiel die deutsche Meisterschaft im Tischtennis. Die Bildungseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft findet große Resonanz bei der Bevölkerung und wird in der Region weit über die Grenzen von Stadt und Landkreis hinaus hoch geschätzt. 

Auch in Schwandorf „mögen Mädchen Mathe“, wie sie selber sagen, und streben die Schlüsselqualifikationen für „MINT-Berufe“ an, also Berufe in den Bereichen „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“. Aber zum christlichen Profil der Schule gehört nicht nur, immer wieder Neues zu wagen, sondern, wie Realschuldirektorin Marlies Hoffmann durchaus im Sinn der Schulstiftung sagt, „vor allem die Durchdringung von Glaube, Kultur und Leben. Das ist uns ein besonderes Anliegen“. Und das geht am besten mit Liebe.


„Der sportliche Erfolg in Berlin hat uns noch enger zusammenrücken lassen. Für Miriam.“ (Christina, 10a)