Eltern wollen wählen!

Warum katholische Schulen begehrt sind

Als Max den Raum verlässt, steht seine Entscheidung fest. Er ist sich ganz sicher: Hier will er hin. "Mama, hast Du das gehört? Die Lehrerin freut sich, wenn ich hier an die Schule komme", schwärmt Max, als sie wieder im Auto sitzen. Max Mutter, Susanne Hauner, erinnert sich noch genau an den Tag der Anmeldung an der Mittelschule in Oberroning. Dass Max nach dem Anmeldegespräch mit der Schulleiterin auf die Schule wollte, hat sie in ihrer eigenen Meinung bestärkt. "Als mein Mann und ich vor der Entscheidung standen, auf welche Schule wir unsere Kinder nach der Grundschule schicken, haben wir uns für dort oben entschieden."

 Mit "dort oben" meint Frau Hauner Oberroning. Dort gehen Max und inzwischen auch sein Bruder Hannes auf die Mittel- bzw. in die Realschule. Beide Schulen gehören zur Schulstiftung der Diözese Regensburg. "Besonders unterstrichen hat unsere Entscheidung tatsächlich der Tag der Anmeldung. Wir sind in das Büro der Direktorin hineingebeten worden. Die hat die Anmeldung selbst gemacht. Und dabei hat sie den entscheidenden Satz gesagt: "Ich freue mich Max, wenn Du an unsere Schule kommst." 

"25 Kilometer pro Weg nehmen wir in Kauf."

Dafür nimmt Susanne Hauner eine gewisse Anreise in Kauf. Sie wohnt mit ihrem Mann und den beiden Söhne in Bayerbach. Das sind bis Oberroning gut 25 Kilometer. "Wir haben es von vornherein gewusst, dass der Weg weit ist und dass die Kinder unterwegs umsteigen müssen. Für die Kinder ist es aber kein Problem, dass sie so früh raus müssen und das Haus verlassen", betont Hauner lächelnd. "Die Schule wiegt das um ein Vielfaches auf, dass der Schulweg einfach länger ist. Ich würde jedem empfehlen, sein Kind nach Oberronning zu schicken. Die Schulen sind einfach klasse", zeigt sich die zweifache Mutter begeistert.

Damit stehen die Hauners nicht alleine da. Sie sind eine von vielen Familien im Bistum Regensburg und in ganz Deutschland. Auch wenn dies mit Umständen verbunden ist – immer mehr Eltern entscheiden, ihr Kind auf ihre Wunschschule zu schicken. Nicht selten ist dies eine Privatschule. Anstelle von "Privatschule" bevorzugen viele die zutreffendere Bezeichnung "Schule in freier (also nicht staatlicher) Trägerschaft", umgangssprachlich auch "freie Schule". Laut Verband Deutscher Privatschulen (VDP) gehen etwa 9 Prozent der gesamten Schülerschaft in Deutschland auf eine freie Schule. Das sind fast eine Million Kinder und Jugendliche.

Grundgesetz sichert Wahlfreiheit der Eltern

Das Grundgesetz (Art. 7 Abs. 4 GG) gewährleistet ausdrücklich das Recht zur Errichtung von Schulen in freier Trägerschaft. Und dieses Recht genießt einen hohen Rang: Artikel 7 zählt zu den Grund- und Menschenrechten. Ein Resultat aus der Erfahrung im Nationalsozialismus. Um eine Gleichschaltung der Bildung zu vermeiden, wird das Bestandsrecht freier Schulen garantiert. Und damit erhalten die Eltern echte Wahlfreiheit. Diese Gewährleistung ist für den Staat zugleich Verpflichtung: Denn um das Recht zur Gründung von Privatschulen nicht ins Leere laufen zu lassen, muss er die Errichtung dieser Schulen unterstützen.

Wie der Staat den Elternwillen finanziell mitträgt, das ist allerdings umstritten. Sollen Kinder, die eine katholische Schule besuchen in der gleichen Höhe steuerlich finanziert werden wie alle anderen schulpflichtigen Kinder auch? Das ist die Frage.

Zurzeit übernimmt der Staat in der Regel rund 90 Prozent der jährlichen Personalkosten und knapp die Hälfte der Investitionen. Die Differenz-Kosten tragen im Bistum Regensburg die Schulstiftung, die Diözese und die Eltern.

Wahlfreiheit und sparen

Die Aufsicht über das Schulwesen in Deutschland liegt in der Hoheit der Länder. Jedes Bundesland entscheidet eigenständig über die Anerkennungs- und Betriebsbedingungen. Die Länder geben damit den kirchlichen Schulen einen kurikularen Rahmen vor. Die Steuerzahler im Freistaat Bayern sparen mit den Schulen in kirchlicher Trägerschaft  Kosten: Nämlich die, welche die Privatschulen selbst aufbringen und nicht selten – dank effizienter Organisation - auch noch deutlich darüber hinaus.

Träger der Privatschulen können kirchliche Organisationen, Sozialwerke, Vereine, Personengesellschaften oder Privatpersonen sein. Die Privatschulen stehen unter staatlicher Aufsicht und verfügen im Allgemeinen über einen öffentlich-rechtlichen Status. Die freien Träger sind jedoch für das Lehrpersonal wie für die konzeptionelle Gestaltung im Rahmen der kurikularen Vorgaben verantwortlich.

Ihren Gestaltungsspielraum nutzen sie im Sinne des Schulprofils. Das betrifft zum Beispiel die Gestaltung der Schulseelsorge, die eigenständige Auswahl der Lehrer, die Freiheit in der Aufnahme der Schüler, die Gestaltung der Stundentafel, die freiere Auswahl von Lehrbüchern sowie die pädagogische Ausrichtung und Schwerpunktsetzung der Schule.

Warum katholische Schule?

Eltern entscheiden sich für katholische Schulen aus vielen Gründen. Fragt man nach, werden aufgezählt:

14 von 62

Die Schulstiftung für die Diözese Regensburg gründete sich 2003 mit drei Schulen. Heute ist sie für 14 Schulen verantwortlich. Andere Träger - wie zum Beispiel Orden - bieten weitere 48 katholische Schulen an, so dass es insgesamt 62 kirchliche Schulen im Bistum Regensburg gibt.

"Mit der Errichtung der Schulstiftung ist die profilierte Arbeit der kirchlichen Schulen mit ihrem unverwechselbaren Charakter im Bistum Regensburg wirtschaftlich langfristig gesichert", stellte der damalige Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, heute Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, bei der Unterzeichnung der Gründungsurkunde. Mit diesen Worten hob er die Bedeutung der von ihm initiierten Stiftung hervor.

Der Geschäftsführer der Schulstiftung, Johann Gröber, unterstreicht das heute: "Die Menschen sollen an unseren Schulen gerne leben und arbeiten". Die Grundsätze der Schulen fußen auf dem christlichen Menschenbild. Das heißt ganz praktisch:

"Das Kind ist keine Nummer" 

Genau diese Grundsätze sind es, die Eltern dazu bewegen, ihre Kinder auf die Schulen der Diözese Regensburg zu schicken. "Die gleiche Wertschätzung in der Mittel- und der Realschule ist von größter Bedeutung, denn das bedeutet, dass hier jedes Kind gleichwertig behandelt wird", stellt etwa Susanne Hauser heraus. "Das Kind ist dort keine Nummer. Der Direktor unserer Schule zum Beispiel kennt jedes Kind persönlich. Er redet jedes Kind mit dem Vornamen an." Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch die Atmosphäre: "Es herrscht ein tolles Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sowie Lehrern und Eltern. Es ist wie eine Familie, eine kleine Schulfamilie."

Auch praktische Gründe spielen eine Rolle: Im Falle der Hauners zum Beispiel, dass sie ihre Söhne auch am Nachmittag in der Schule sehr gut betreut wissen: "Die Schule ist eine Ganztagsschule. Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen, müssen sie nicht mehr Hausaufgaben machen. Dann ist Feierabend. Es gibt zu Hause nicht mehr diese Diskussionen, sondern so, wie sie die Hausaufgaben in der Schule erledigt haben, war das in Ordnung für die Lehrer." Und das wiederum habe deutliche Auswirkungen auf das Verhalten ihrer Söhne: "Für die Kinder ist das eine Erziehung zur Selbständigkeit, weil sie wirklich eigenständig dort oben arbeiten müssen", ist sich Susanne Hauner sicher.

"Die ticken wie wir."

Josef Kraus, seit 1987 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht noch einen anderen Grund, warum Privatschulen wieder im Kommen sind: "Eltern schicken ihre Kinder auf Schulen in freier Trägerschaft, weil dort eine homogenere Elternschaft ist. Die sagen sich, die anderen Eltern ticken ähnlich wie wir. Die legen auch besonderen Wert auf Erziehung und Bildung", argumentiert Kraus.

In Regensburg spricht zudem das klare christliche Profil für die kirchlichen Schulen: "Eltern geben ihr Kind hier hin, weil sie wissen, es ist dort gut aufgehoben", sagt Pfarrer Andreas Albert. Er ist Schulseelsorger an den St. Marien-Schulen, die auch zur Schulstiftung gehören. Die Schulen des Bistums sieht Pfarrer Albert als Raum, in dem ein Kind geschützt groß werden kann. Neben diesem Schutz eröffnen sie den Kindern zugleich ein Angebot: "Du bist nicht allein. Du hast eine einmalige Würde. Du bist vom Herrgott gewollt, so wie Du bist – mit Deinen Gaben, aber auch mit Deinen Schwächen", sagt Pfarrer Albert aus voller Überzeugung.



"Im Krankheitsfall, wenn Schulstoff nachgeholt werden muss, hat man immer den Lehrer direkt zur Hand"